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… und für eine ganz bestimmte, die vielleicht weiß, dass sie gemeint ist, wenn sie diesen Text liest. Danke an euch!

15. Balinger RockfestivalIch fühl den Beat an meinem ganzen Körper. Der Bass lässt mich bis ins Innerste vibrieren.
Am Rand stehe ich und schaue der tobenden Menge zu, wie sie auf und ab springt. Wie die Jungs ihre Haare fliegen lassen und die Mädels kreischen. Es ist echt unglaublich, hier zu stehen, die Musik zu fühlen und die Jungs auf der Bühne zu sehen. Wenn ich daran denke, wie sich diese Band innerhalb von einem Jahr weiterentwickelt hat. Unglaublich. Damals waren nach fast keine Leute bei den Konzerten dabei und jetzt? Die Halle ist brechend voll und es gibt so gut wie keinen, der stillsteht.
Und ich stehe hier und kann es nicht fassen. Kann es nicht fassen, wie sich dieses Jahr entwickelt hat. Nicht nur, dass die Jungs da oben auf der Bühne so einen Bekanntheitsgrad entwickelt haben. Nein, sondern auch, dass ich weiß, dass ich nach der Show jedem Einzelnen gratulieren kann. Dass ich hingehen kann und mit ihnen reden kann. Dass ich nicht mehr nur ein Fan bin. Dass diese Jungs, die da oben abrocken, irgendwie zu meinen Freunden geworden sind.
Dass dieses Jahr zu einem Jahr voller Überraschungen geworden ist und dass ich jetzt glücklich hier stehen kann, mit dem Wissen, dass es so weiter gehen wird. Es ist echt toll. Das diese Erfahrungen nicht aufhören, daran sind zum Teil auch die Jungs auf der Bühne schuld. Sie haben mir mit ihrer Musik so viel Glauben, Gefühle und Hoffnung ins Herz gelegt. Ich weiß nicht wie oft ich ihre Lieder schon gehört hab. ich kann jedes einzelne Wort mitsingen und ich spüre immer noch die Kraft, die diese Lieder haben.
Die Musik hat mich schon zu so vielem bewegt, das ich weiß, dass ich ohne Musik nicht mehr leben könnte. Sie ist ein Teil von mir geworden. Weil Musik mich mit zu dem Menschen gemacht hat, der ich jetzt bin.

Love and the seeDer Wind zerzauste ihr das Haar und sie genoss es die Brise in ihrem Gesicht zu spüren. Es roch nach Salz und Sand. Es roch nach der Weite des Meeres und nach Freiheit.
Endlich konnte sie die Vergangenheit hinter sich lassen und neu anfangen. Sie wollte nicht an die vergangenen Zeiten denken aber es zogen trotzdem Bilder vor ihrem inneren Auge vorbei. Bilder von Dunkelheit. Bilder von verheulten Augen und schlaflosen Nächten, die sie voller Angst unter ihrer Bettdecke verbracht hatte. Sie konnte die Schreie, Streitereien und das Wimmern immer noch hören. Sie sah ihre Mutter vor sich, die versuchte zu lachen, wenn sie in ihrer Nähe war, aber ihre blauen Flecken konnte sie trotzdem nicht so leicht verstecken.
Aber all das hatte sie jetzt hinter sich gelassen. Sie war am Meer und wollte nur noch genießen. Sie wollte es genießen, dass sie das Meer hören konnte. Dass sie den Sand zwischen ihren Zehen spürte und die Sonne warm auf ihrem Gesicht fühlte. Sie war hier und nur das zählte.
Jemand schlang von hinten seine Arme um sie. Sie drehte sich um und lächelte. All die Schreckensbilder waren wie weggewischt. Der Wind trug sie aufs Meer hinaus und die Wellen spülten ihre Angst und Dunkelheit in die Tiefen des Meeres. Sie hatte jemanden gefunden, der ihr gezeigt hatte, dass es auch anders ging. Sie hatte jemanden gefunden der ihr zeigte was Liebe ist. Er zeigte es ihr immer noch. Grade in diesem Moment, in dem er sie in seinen Armen hielt, zeigte er ihr seine Liebe.
Es gab ein Gefühl, dass sie nicht beschreiben konnte, aber empfand seit sie hier angekommen war. Sie hatte nach Worten gesucht und keine gefunden. Am nächsten kam diesem Gefühl wahrscheinlich das Wort „Dankbarkeit“ aber sie wusste, dass da noch viel mehr war. Zum Beispiel die Freude auf die kommenden Wochen hier am Meer oder die Faszination die diese Situation in ihr auslöste. Das sie abends die Sterne sehen konnte und zusammen mit ihrer großen Liebe den Sonnenuntergang auf sich wirken lassen konnte. Dass sie nicht mehr alleine war. Dass sie nie wieder alleine sein würde. Nie wieder diese Angst haben musste. Sie lehnte sich an ihn an und genoss das Spektakel, das Himmel, Sonne und Wellen hervorzaubern konnte. Für sie war ein Traum in Erfüllung gegangen, der für andere so banal schien. Doch sie wusste es besser. Denn dieses Gefühl würde ihr niemand mehr nehmen können.

P.S.: Danke an Kathrin und Philipp für das tolle Bild. Eine Erinnerung an unseren tollen Urlaub =)

GänseblümchenGestern abend hat es geregnet. Wie ich mich über den Regen gefreut habe. Endlich das kühle Nass spüren. Es war zu lange heiß und trocken. Noch länger hätte der Regen nicht auf sich warten lassen dürfen. Aber nach der ganzen langen Zeit hat der Himmel endlich seine Tränen fallen lassen. Ich war so glücklich. Ich hätte tanzen können. Wenn ich das könnte, dann hätte ich es sicher gemacht. Aber ich hab dafür heute, am nächsten Morgen mein schönstes Strahlen aufgelegt. Immerhin lacht mich auch grade die Sonne an, so als ob sie mir sagen will, dass sie es genauso schön findet wie ich, dass es endlich wieder geregnet hat. Ich glaube sie hatte es auch satt, die ganze Zeit nur zu strahlen und ihre Hitze auf die Erde knallen zu lassen. Wahrscheinlich weiß sie genau, wann ihr Strahlen den Leuten Freude bereitet und wann sie einfach nur noch quälend ist. Aber im Moment ist es toll, denn ihre Strahlen lassen die letzten Tropfen die noch auf mir ruhen in einem wunderbaren Licht erstrahlen. Alles funkelt und glitzert im Glanz der Sonne und des zurückgebliebenen Regens. Es ist wirklich wunderbar mitanzusehen. Ich hoffe ich bin auch ein Geschöpf, dass Anderen eine Freude bereiten kann. Ich weiß nicht ob ich das bin, immerhin bin ich nur so klein und unscheinbar, aber die Sonne lächelt mich grad so schön an, dass ich mir sicher bin, dass auch irgendjemand seine Freude an mir hat. Auch wenn ich nur ein kleines Gänseblümchen bin, dass versteckt in ihrer Wiese lagert. Heute blühe ich ganz besonders, um dem Regen einen Dank zu zollen und um zu zeigen, dass auch das kleinste ganz Groß sein kann und das nach jeder Dürre auch irgendwann wieder der Regen kommt.

Mond am SeeSie schaute den Mond an. Sein Licht strahlte in der schwarzen Nacht wie ein Leuchtfeuer. Eine Hoffnung. Sie wusste nicht, wie sie auf diesen Gedanken kam. Eigentlich wusste sie noch nicht mal genau, was Hoffnung eigentlich war. Hoffnung auf was? Das alles gut werden würde? Diese Hoffnung hatte sie doch eh schon aufgeben. Hatte sie das nicht? Sie wollte diese Hoffnung aufgeben. Weil sie dann nicht immer wieder auf die Nase fallen würde, wenn sie dann doch merkte, dass die Hoffnung halt … ja was genau war? Doch bloß eine Hoffnung. Eine Hoffnung und nichts weiter. Hoffnungen konnten enttäuscht werden. Sie wusste nicht, warum sie sich immer wieder Hoffnungen machte um dann am Schluss doch nur festzustellen, dass die Hoffnung enttäuscht wurde. Aber es gelang ihr nicht, die Hoffnungen abzustellen. Sie war einfach da, die Hoffnung. Wie der Mond, in dieser dunklen Nacht. Sie schaute auf ihre Hände. Sie wusste nicht, was sie damit erreichen konnte. Mit dem was sie machte. Mit dem was sie nicht machte. Was sollte sie noch machen. Sie hatte das Gefühl in Mitten von einem großen Rätsel zu stecken und das passende Puzzelteil, das entscheidend war noch nicht gefunden zu haben. Wer würde ihr bei der Suche helfen? Sie hatte sich schon oft gefragt, ob gehen nicht einfacher wäre. Einfach alles hinter sich lassen. Dem Mond den Rücken zu kehren. Aber das konnte sie nicht. Er hatte eine so faszinierende Ausstrahlung, dass er sie immer wieder in den Bann zog, auch wenn sie es absolut nicht verstehen konnte. Außerdem mochte sie die Dunkelheit nicht. Sie hatte schon einmal versucht, alleine durch die Dunkelheit zu kommen und sie wollte diese Erfahrung nicht ein zweites Mal machen. Außerdem konnte sie es auch einfach nicht. Sie wusste, dass sie dem Mond das Licht nehmen konnte. Sie wusste, dass sie sein Strahlen nehmen konnte und das wollte sie nicht. Das brachte sie nicht übers Herz. Sie würde etwas kaputt machen, das irreparabel war. Sie würde lieber sich selbst kaputt machen, als ihn. Die Nacht wäre ohne den Mond zu dunkel. Sie schüttelte den Kopf. Was sollte sie auch ändern? Was ändern, an einer Situation, die sich nicht ändern ließ. Sie sollte aufhören, sich Gedanken zu machen. Der Mann im Mond würde schon auf sie aufpassen. Es war ein Trost zu wissen, dass der Mond, obwohl er so weit weg war, doch immer sein Licht auf sie schien. Er war da, auch wenn es ihr nicht immer so vorkam. Aber ob sie den Mann im Mond irgendwann mal zeigen könnte, was es hieß in ihre Welt zu scheinen, dass wusste sie nicht. Sie würde die Geschichte irgendwann fertig schreiben. Aber erst, wenn das Leben sich dazu entschloss, ihr das Ende zu erzählen. Man kann halt doch keine Geschichte erzählen, dessen Ende noch unvollendet ist. Es lag nicht an ihr die Zukunft voraus zu sagen. Sie schrieb nur die Geschichte auf. Sie erlebte die Geschichte bloß. Er hatte es ihr ja gesagt. Sie sollte sich nicht so viele Gedanken machen. Er hatte Recht!

Sie wusste nicht, wer das war, wenn sie in den Spiegel schaute. Das was sie in sich fühlte passte einfach nicht zu dem Bild, dass sie sah. Dieses lächelnde Mädchen konnte doch nicht das sein, was ihr verwirrtes Inneres widerspiegelte. Dieses fröhliche Mädchen konnte doch nicht sie sein, die grade nicht mehr wusste was sie denken sollte. Die am Liebsten alles hinwerfen würde. Die am Liebsten noch mal von vorne anfangen würde. Warum passte es einfach nicht? Sie spielte diese Fröhlichkeit nicht, aber sie spielte auch nicht ihre Traurigkeit im Inneren. Aber das passte doch nicht, oder? Man kann doch nicht beides sein. Man kann doch nicht dankbar und gleichzeitig wütend auf jemanden sein. Aber sie war es. Sie war Gott dankbar und gleichzeitig wütend auf ihn. Sie war gleichzeitig froh darüber, dass sie so viele gute Freunde hatte und traurig, dass es nicht klappte, nie klappen würde mit dem Jungen den sie liebte. Sie liebte diesen Jungen so sehr, da war sie sich sicher und doch war sie froh, dass er immer noch ihr Freund sein wollte, auch wenn er sie nicht liebte. Sie war grade alles und nichts. Sie hatte das Gefühl, dass alles, was auf einmal auf sie einströmte zu viel war und ihr Herz, ihre Seele deswegen gar nichts mehr fühlte. Aus dem einfachen Grund, weil alles zusammen einfach zu viel wäre. Deswegen hatte sie auch das Gefühl, dass Mädchen im Spiegel nicht zu kennen. Das konnte doch nicht sie sein. Wie konnte sie das sein? Das fragte sie sich wirklich. Vielleicht konnten ja andere ihr diese Frage beantworten, sie wäre echt dankbar dafür. Sie wusste auch grade einfach nicht, wie sie mit all dem umgehen sollte, womit sie umgehen musste. Sie war nicht der Mensch der oft weinte. Sie konnte das einfach nicht. Vielleicht war sie dafür einfach zu fröhlich, obwohl sie eigentlich grade überhaupt nicht fröhlich war. Sie war auch nicht wirklich traurig. Sie war gar nichts. Sie fühlte nur diesen Stich in ihrem Herzen. Diese Schwere auf ihren Gliedern. Alles war wie unter Wasser. Sie weinte nicht. Aber sie würde gerne. Sie wünschte sich die Tränen herbei, damit sie wenigstens ein Gefühl hatte. Aber grade war es nicht ein Gefühl. Es waren alle und gar keins. Kann alles zusammen Null ergeben? Anscheinend schon.
Wer ist dieses Mädchen im Spiegel? Wer ist dieses Mädchen, die diesen Text hier geschrieben hat? Ich weiß es nicht. Ich kann es nicht sein. Ich bin es nicht. Ich will es nicht sein. Ich wäre es gerne nicht. Aber wahrscheinlich bin ich es trotzdem.

Ich sah den Mond. Er war wunderschön, aber so weit weg. Warum war er nur so weit weg. Eine Träne rollte mir über die Wangen. Es war so gemein. Warum sollte es nicht gehen? Warum sollte dieses Leben keine Chance haben? Warum hatte es keine bekommen? Ich konnte nicht mehr. Es hätte mein Kind sein können. Ich hätte es geliebt. Ich hätte ihr oder ihm ein wunderschönes Leben bereitet. Ich wäre jede Nacht aufgestanden, wenn es geweint hätte. Ich hätte das schreien akzeptiert, hätte es beruhigt. Ich hätte meinem Kind beim Aufwachsen zugesehen. Der erste Zahn, die ersten Schritte. Ich wäre jeden Morgen mit meinem Baby in den Kindergarten gegangen. Hätte Obstsalate gemacht, die es mitgenommen hätte. Hätte ihm eine riesige Schultüte für den ersten Schultag gebastelt. Wäre mit ihr in den Zoo gegangen, wäre in den Zirkus gegangen. Ich hätte mit einem Lächeln das Gemecker über die blöden Lehrer ertragen. Hätte getröstet, wenn es beim Spielen hingefallen wäre. Ich hätte gesehen wie es anfängt sich mit bestimmten Freunden immer und immer wieder zu treffen. Ich hätte jeden Tag gekocht und mit ihr die Hausaufgaben gemacht. Ich hätte die erste große Liebe mitgemacht. Erlebt wie es zum ersten Mal ausgeht. Zum ersten Mal einen Freund mit nach Hause bringt. Ich hätte heißen Tee gekocht, wenn es vorbei gewesen wäre und hätte die Tränen ertragen. Aber meine eigenen die vertrug ich nun nicht. Warum hatte Gott mir mein Kind genommen, bevor ich es überhaupt kennen gelernt hatte. Warum? Eine Fehlgeburt. Warum hatte man mir das angetan. Niemals ein „Mama“ hören. Kein Lächeln auf dem kleinen Gesicht. Nie würde ich das erleben. „Tut mir Leid, aber sie können keine Kinder mehr bekommen“. Das war so unfair. Ich hatte das nicht verdient. Wo war nun Gott? Er hatte mich im Stich gelassen. Alleine war ich. Was sollte ich nun mit all den Baby-sachen die ich so vorsorglich gekauft hatte. Wegwerfe konnte ich sie. Ich konnte sie nicht ertragen. Ich wollte sie nicht. Ich wollte mein Kind zurück. Auch wenn ich es nicht kannte. Warum hatte Gott mir das gestohlen was mir so wertvoll war? Warum? Es war einfach ungerecht. Es war falsch. Schon wieder weinte ich. Wie oft hatte ich das nun getan, seit diesem schrecklichen Ereignis? Zu oft.
Die Tür ging auf und mein Mann kam rein. Ich wollte ihn nicht sehen. Er sollte verschwinden. Nein er sollte dableiben. Ich fühlte mich schrecklich, weil er alles abbekommen hatte, was er eigentlich nicht verdient hatte. Ich wollte nicht, dass er mich so sah. Aber er kam trotzdem rein, sah meine Tränen. Nahm mich in den Arm. Tröstete mich und ließ mir Zeit. Als meine Tränen vertrocknet waren zeigte er mir ein Bild. Von einem kleinem Mädchen. Sie war dunkelhäutig und ich fing wieder an zu weinen. Warum zeigte er mir dieses Bild. Ich wollte es nicht sehen. Doch er ließ mich weinen bis ich keine Tränen mehr hatte. Dann sprach er. „Ich weiß wie sehr du dir ein Kind gewünscht hast. Ich weiß, dass wir niemals leibliche Kinder haben können, aber ich bin mir sicher, dass wir immer noch Eltern sein können. Dieses Kind, sie heißt Malie, wurde von ihrer Mutter irgendwo in Afrika ausgesetzt. Sie wollte es nicht. Unterernährt wurde es in einem Weisenhaus aufgenommen.“ Ich starrte ihn fassungslos an. Natürlich kannte ich so was. Aber wie konnte eine Mutter nur so grausam sein. Ich konnte es nicht verstehen, nachdem ich selber keine Kinder mehr bekommen konnte. Er sprach weiter. „Wir könnten sie adoptieren und ihr ein besseres Leben bieten. Sie wird zwar nie unser Blut haben, aber sie wird unser Kind sein. Du kannst sie genauso lieben und ihr helfen. Ich bin mir sicher, dass ein „Mama“ aus ihrem Mund genauso schön klingen würde, wie aus dem Mund unseres leiblichen Kindes.“ Ich nickte bloß. Ich sah dieses Mädchen und wusste, dass sie mein Mädchen war. Ich wollte ihr helfen. Ich wollte ihr das geben, was man ihr dort nie geben könnte und was ich zu schenken hatte. Dann flüsterte mein Mann noch, „Ich glaube Gott wollte diesem Mädchen eine Chance geben und uns. Ich bin mir sicher unser Kind sitzt irgendwo oben im Himmel und wird als Engel über uns und unser Mädchen wachen. Gott lässt seine Kinder nicht im Stich. Das tut er nie.“

Sie lächelte immer auch wenn ihr gar nicht zum Lächeln zumute war. Die Schmerzen hatten sie in letzter Zeit aufgefressen. Wie Maden wühlten die Krämpfe in ihrer Brust. Es gab Tage da ging es, da war es leichter, da konnte sie wirklich lächeln. Doch diese Tage wurden immer seltener. Doch sie wollte ihre Familie und Freunde nicht beunruhigen. Sie wollte stark sein, auch wenn sie nicht mehr wusste, ob sie das wirklich war. Früher hatte man ihr nachgesagt sie sei so lebensfroh. Es stimmte auch. Damals hatte sie nur so vor Lebensenergie gesprüht. Sie hatte jede Sportart gemacht die sie sich vorstellen konnte. Volleyball, schwimmen, Fußball und dann war da auch noch das Klavier spielen. All das musste sie aufgeben. Es trieb ihr wieder und wieder Tränen in die Augen. Sie hätte es gerne wieder zurück gehabt, all das was ihr Leben ausgefüllt hatte. Sie wusste ganz genau, dass sie es nie wieder bekommen würde. Das sie nie wieder die Selbe sein würde. Nicht in dieser Welt. Ihrer Umgebung wollte sie zeigen, dass sie kämpfte. Sie wollte auch kämpfen. Sie wollte leben. Doch sie wusste nicht ob sie das noch länger konnte. Leben. War es denn besser so zu leben wie sie es gerade tat? Immer öfter schoss ihr diese Frage durch den Kopf und immer öfter war ihre Antwort die Selbe und es war eigentlich nicht die, die sie hören wollte. Es war nicht die, die sie den anderen sagte. Für sie lautete die Antwort immer öfter, dass dieses Leben kein Leben mehr war. Sie konnte nicht mehr und wollte so auch nicht mehr weiter machen. Warum auch. Sie wusste dass es keine Hoffnung gab. Zumindest gab es die Hoffnung gesund zu werden nicht mehr.
Wieder durchfuhr sie ein heftiger Schmerz. Doch sie schrie nicht. Das hatte sie aufgegeben. Der Krebs hatte sie aufgefressen. Die Krankheit hatte das aus ihr gemacht was sie jetzt war. Eine junge Erwachsene die keine Haare mehr hatte weil die Chemotherapie ihr alles genommen hatte nur nicht den Tumor in ihrem Körper. Er hatte sich weiter ausgebreitet. Inzwischen konnte sie noch nicht mal mehr laufen, geschweige denn Sport treiben. Sie konnte sich ja schon fast nicht mehr unter Schmerzen aufsetzten. Sie, ein Mädchen, das früher so aktiv war und am liebsten durch die Straßen gelaufen ist und gesungen und getanzt hatte. Sie sah keinen Sinn mehr darin so zu leben. Für sie war es einfach kein Leben mehr. Sie konnte so nicht mehr. Es war gar nicht der Schmerz der sie so quälte, sonder die Erkenntnis, dass sie langsam vor sich hinstarb und nichts dagegen machen konnte. Der Krebs hatte ihr ihren Lebensinhalt genommen. Ihren Freunden machte sie vor, dass sie noch daran glaubte gesund zu werden. Doch sie wusste, dass das nicht passieren würde. Es war aussichtslos, das hatte ihr ihre Ärztin erzählt. Ihr hatte sie sich anvertraut. Hatte ihr erzählt wie es ihr ging und das sie so nicht mehr leben wollte. Das Leben war so schön. Sie fand es immer noch schön, das Leben. Doch so ging es nicht mehr weiter. Sie hatte ihrer Ärztin einen Brief diktiert, schreiben konnte sie nicht mehr. Es war ein Abschiedsbrief, denn sie hatte sich entschieden dieses Leben zu beenden und ein neues anzufangen. Wo das wusste sie noch nicht, doch sie war bereit es zu erfahren.

Den letzten Satz den die Angehörigen in diesem Brief lasen war folgender: „ Ich habe mich entschlossen dieses Leben zu beenden. Was danach kommt weis ich noch nicht, aber ich finde es heraus.“

Sie saß da und starrte aus dem Fenster. Draußen scheinte die Sonne und es war ein warmer Tag. Trotzdem war ihr kalt. Sie wusste nicht was mit ihr los war. Alle machten sich Sorgen, um sie. Das wollte sie nicht, denn eigentlich gab es keinen Grund sich Sorgen zu machen, oder? Sie wusste es nicht. Sie hätte zumindest keinen Grund aufzählen können. Oder doch? Nein, das sie wegen einem Sänger, einer Person traurig sein sollte wollte nicht in ihren Kopf rein. Wenn dann gabs da andere Gründe, sie wusste zwar nicht welche, aber nicht deswegen. Sie wollte ihr ganzes Leben schon unabhänig sein. Wollte sagen können, dass die Leute die sich nicht für sie interessierten ihr sonstwo vorbeigehen können. Sie wollte ihre Stimmung nicht von sowas wie Liebe beinflussen lassen. Das wollte sie alles hinter sich lassen, hatte es schon genug erlebt. Das jetzt eine Person sie so beinflussen sollte, nein das konnt nicht sein. Es war nicht so. Das war ihre Überzeugung. Aber warum sah sie dann nach der Meinung ihrer Freundinnen und sie wusste das diese sie nicht anlügen würden oder übertreiben würden, es waren Leute dennen sie vertraute, warum sah sie traurig und nachdenklich aus? Sie konnte diese Frage einfach nicht beantworten und das beschäftigte sie. Sie wollte nicht das man sich Sorgen um sie machte.
Sie ballte die Fäuste. Warum schaffte sie es nicht dieses blöde Gefühl aus ihrem Herzen zu bekommen? Verdammt, ihr gings doch gut. Warum fühlte sie sich dann nicht so? Sie musste ihren Kopf leer bekommen, nicht mehr darüber nachdenken, aber sie schaffte es nicht. Das regte sie auf. Sie wusste nicht wieso und warum und trotzdem war da etwas. Sie konnte ihren Freundinnen noch nicht mal erklären was los war. Das fand sie am schlimmsten. Jemand machte sich Sorgen um sie und sie konnte noch nicht mal erklären was mit ihr los war.
Sie brauchte Ablenkung und sie sollte aufhören an diesem Gefühl zu hängen. Wenn schon nicht für sich selber dann immerhin für ihre Freundinnen. Sie wusste zwar noch nicht wie sie das anstellen wollte, aber sie würde alles machen. Das war sie den Personen, die so wichtig waren in ihrem Leben, schuldig.
Sie hatte Angst jemand ganz anderes zu werden. Sie wollte endlich wissen was mit ihr los war. Sie hätte heulen können, aber noch nicht mal das klappte.
Was war nur los?

Sie schaute aus dem Fenster. Kalt war ihr nicht, obwohl es schon weit nach Mitternacht war. Sie konnte einfach nicht schlafen. Schon wieder ein neues Land, eine neue Umgebung und neue Eindrücke. Seit sie mit der Band reiste war sie ständig unterwegs. Es machte Spaß. Alle Leute waren so nett zu ihr. Sie konnte es immer noch nicht fassen, was sie alles in so kurzer Zeit erlebt hatte. Es gab Tage da kam ihr alles so surreal vor, so unwirklich. Aber es stimmte wirklich. Sie würde jetzt ein ganzes Jahr mit der Band reisen. Ein ganzes Jahr mit den Leuten die sie sofort in ihr Herz geschlossen hatte. Aber trotzdem, an Abenden wie diesem fehlte ihr ihre Familie und ihre alten Freunde. Die Personen die sie schon ihr ganzes Leben kannte. Wo sie wusste, dass sie immer da waren und sie immer verstanden. Sie schaute in den Himmel. Es war eine sternenklare Nacht und sie konnte viele Sternenbilder erkennen. Auch viele die sie sich selber ausgedacht hatte, in den Nächten, in denen sie mit Freunden auf der Wiese lang und in den Himmel schaute.

„Warum schläfst du noch nicht?“ Sie drehte sich um. Hinter ihr stand ein hübscher junger Mann. Der Sänger der Band mit der sie auf Reisen war. „Ich kann nicht einschlafen und es ist so eine schöne Nacht.“ Er stellte sich neben sie, schaute auch in den Himmel hinauf. Sie merkte, dass er spürte wie es ihr ging und das gab ihr ein geborgenes Gefühl. Er schaute sie an und versuchte ihre Gesichtszüge in der Dunkelheit auszumachen. Sie lächelte. „Immer wenn ich Heimweh habe schaue ich mir den Himmel an. Denn ich weis, dass alle die ich liebe, alle meine Freunde und meine Familie den gleichen Himmel sehen. Es sind die gleichen Sterne und der gleiche Mond. Es ist der gleiche Gott und er passt auf sie auf und verbindet uns, egal wie weit wir entfernt sind.“ Bei diesen Worten stellte er sich hinter sie und umarmte sie. Er gab ihr den nötigen Halt den sie brauchte. Sie schloss die Augen und lehnte sich einfach nur an ihn an. „Fühlst du dich alleine?“ Sie schloss die Augen. „Nein, denn du bist ja da.“

Es war ein kalter Tag und der Nebel hing in den Tälern und Bäumen. Es hatte grade aufgehört zu regnen, als sie aus dem Haus ging. Ohne Ziel, aber mit einem Grund. Sie wollte sich selbst finden. Sie ging die Straße hinunter, auf den Wald zu. Weißer Atem kam aus ihrem Mund und sie zog den Reisverschluss ihrer Jacke noch mal ganz nach oben. Sie hatte keinen Schaal dabei. Im Wald schaute sie durch die dichten Büsche und Bäume und versuchte irgendwas durch den dicken Nebel zu erkennen, aber sie sah nur die Kälte die ihr die Glider hinauf kroch. Am liebsten wäre sie wieder umgekehrt, aber sie hätte es in der stickigen Wohnung, mit all dem Geschrei und dem Geknalle der zuschlagenden Türen nicht ausgehalten. Da war sie doch lieber hier draußen. Als sie zum See kam, setzte sie sich auf eine Bank nahe am Wasser und versuchte etwas zu erkennen. Lange saß sie dort und dachte über sich nach. Nach und nach lichtete sich der Nebel und sie konnte die Enten erkennen, die auf sie zu schwammen, doch als sie sich erhob, waren sie schneller weg als sie schauen konnte. Sie ging so nah ans Wasser, dass sie sich selber sehen konnte, ihre Spiegelung im Wasser. Sie war blass. Sie wusste nicht ob sie wirklich so sein wollte. Sie hätte auch nicht gedacht, dass sie sich mit einem Spaziergang durch den Wald selber finden würde. Die Enten kamen langsam wieder aus dem Schilf auf sie zu. Sie wollten Brotkrumen oder so etwas in der Art haben, aber sie hatte nichts dabei. Natürlich, an die armen Enten dachte ja auch niemand. Die frohren immer hier draußen im Wald. Aber sie ließen das Spiegelbild verschwinden. Sie sah dafür jetzt nur noch Wellen. Vielleicht wollten die Enten ja nicht, dass sie so war wie sie war. Hungrig schauten die Enten sie an. Der Nebel hatte sich gelichtet und die Sonne hatte wieder angefangen zu scheinen, aber das merkte sie gar nicht. Sie merkte auch nicht wie schön der einsame Wald, nach dem Regen, in der Sonne glänzte. Sie rannte nach Hause und holte Brot für die Enten. Die Sonne strahlte durch die Bäume und verkündete einen neuen Tag. Einen Tag wie jeder andere und doch war er besonders, für sie. Denn die Enten wurden satt.