Sie wusste nicht, wer das war, wenn sie in den Spiegel schaute. Das was sie in sich fühlte passte einfach nicht zu dem Bild, dass sie sah. Dieses lächelnde Mädchen konnte doch nicht das sein, was ihr verwirrtes Inneres widerspiegelte. Dieses fröhliche Mädchen konnte doch nicht sie sein, die grade nicht mehr wusste was sie denken sollte. Die am Liebsten alles hinwerfen würde. Die am Liebsten noch mal von vorne anfangen würde. Warum passte es einfach nicht? Sie spielte diese Fröhlichkeit nicht, aber sie spielte auch nicht ihre Traurigkeit im Inneren. Aber das passte doch nicht, oder? Man kann doch nicht beides sein. Man kann doch nicht dankbar und gleichzeitig wütend auf jemanden sein. Aber sie war es. Sie war Gott dankbar und gleichzeitig wütend auf ihn. Sie war gleichzeitig froh darüber, dass sie so viele gute Freunde hatte und traurig, dass es nicht klappte, nie klappen würde mit dem Jungen den sie liebte. Sie liebte diesen Jungen so sehr, da war sie sich sicher und doch war sie froh, dass er immer noch ihr Freund sein wollte, auch wenn er sie nicht liebte. Sie war grade alles und nichts. Sie hatte das Gefühl, dass alles, was auf einmal auf sie einströmte zu viel war und ihr Herz, ihre Seele deswegen gar nichts mehr fühlte. Aus dem einfachen Grund, weil alles zusammen einfach zu viel wäre. Deswegen hatte sie auch das Gefühl, dass Mädchen im Spiegel nicht zu kennen. Das konnte doch nicht sie sein. Wie konnte sie das sein? Das fragte sie sich wirklich. Vielleicht konnten ja andere ihr diese Frage beantworten, sie wäre echt dankbar dafür. Sie wusste auch grade einfach nicht, wie sie mit all dem umgehen sollte, womit sie umgehen musste. Sie war nicht der Mensch der oft weinte. Sie konnte das einfach nicht. Vielleicht war sie dafür einfach zu fröhlich, obwohl sie eigentlich grade überhaupt nicht fröhlich war. Sie war auch nicht wirklich traurig. Sie war gar nichts. Sie fühlte nur diesen Stich in ihrem Herzen. Diese Schwere auf ihren Gliedern. Alles war wie unter Wasser. Sie weinte nicht. Aber sie würde gerne. Sie wünschte sich die Tränen herbei, damit sie wenigstens ein Gefühl hatte. Aber grade war es nicht ein Gefühl. Es waren alle und gar keins. Kann alles zusammen Null ergeben? Anscheinend schon.
Wer ist dieses Mädchen im Spiegel? Wer ist dieses Mädchen, die diesen Text hier geschrieben hat? Ich weiß es nicht. Ich kann es nicht sein. Ich bin es nicht. Ich will es nicht sein. Ich wäre es gerne nicht. Aber wahrscheinlich bin ich es trotzdem.

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2 Kommentare zu “

  1. the day that never comes sagt:

    Auch er wusste micht was es war, als er in den Spiegel sah. Er sah hinter den Spiegel, versuchte zu verstehen, zu helfen, doch er wusste das er der falsche war. Der Spiegel ist zerbrochen, das Bild das er hinter dem Spiegel sah… verschwunden. In seinen Erinnerungen war es noch, das Mädchen hinter Spiegel, er sah es vor sich, wie es ihn angrinste. Doch er wusste das es nur eine Fassade war, diese Fassade versteckte ihr verwirrtes inneres… und mittendarin fand er SICH. Er sah das ER sie verletzt hatte, das ER der Grund dieses Chaoses war, und nun wollte er nicht mehr sein was er ist. Sein inneres war ähnlich aufgewühlt, er war gechockt, er hatte den Spiegel nicht so behandelt wie dieser es wert gewesen wäre, und somit auch das hinter dem Spiegel. Da laß er die Scherben zusammen, er wollte sie wieder sehn und begann ein Puzzel, als er dieses Puzzel fertig gestellt hatte sah er nur noch ein verzerrtes Bild, er wusste das es nie wieder so werden konnte wie es mal war. Er sah das Mädchen und daneben sein eigenes Angesicht und er sah seine Fehler, seine Dummheit, im Boden wollte er versinken, er hatte das Mädchen verraten… doch es gab kein zurück mehr…gibt es eine Zukunft??

  2. arzani92 sagt:

    Sie wollte diesen Scherbenhaufen nicht. Sie hatte es nie gewollt. Sie wollte nicht, dass er vor diesem Scherbenhaufen stand. Sie hatte viel zu viel Angst, dass er sich an einer spitzen Kante schneiden würde. Sie wollte nicht, dass er verletzt wurde. Sie wollte nicht, dass er sich Vorwürfe macht. Sie wollte das er glücklich war, egal wie es ihr ging. Wenn er glücklich wäre, dann wäre sie es auch. Sie wollte ihm sagen, dass der Spiegel irgendwann wieder zusammenwachsen würde. Das es irgendwann wieder ein ganzer Spiegel war.
    Sie wollte ihn nicht so leiden sehen wie sich. Immerhin war es nicht seine Schuld. Es war doch … VERDAMMT es war doch nicht seine Schuld.
    Gab es eine Zukunft für sie? Sie hoffte es. Sie betete dafür …

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