Vorbei!

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Gedanken zu … Freundschaft

Freudschaft ist keine Abkürzung, sondern ein lebendiger Brief!

Freundschaft ist ein Stück deines Herzens in dem des Anderen.

    Freundschaft ist eine schwankende Brücke.

Freundschaft ist die Würze in der Suppe des Lebens.

Ein Freund singt dir die Melodie deines Herzens vor, wenn du sie vergessen hast.

Wer Liebe und Freundschaft zulässt, lässt auch den Schmerz zu.

In einer Freundschaft liegt das Herz in den Händen des Anderen.

Freunde ist die Familie, die man sich aussuchen kann.

Freunde sind wie Sterne, du kannst sie nicht immer sehen, aber du weißt sie sind immer da.

Freundschaft ist eine Lawine, sie kann dich mitreisen aber auch begraben.

Freunde sind Menschen, die alles über einen wissen, dich aber trotzdem noch mögen.

Menschen die du kennst, sind Bekannte. Menschen die dich kennen Freunde!

Menschen sind wie Engel mit nur einem Flügel. Man braucht einander um zu fliegen.

In einer Freundschaft schaut man sich nicht an, man schaut in die gleiche Richtung.

Freundschaft braucht keine Abkürzungen, keine Worte und keine Stimme. Nur ein Herz!

 

 

Beitrag auf dem Oster-Jat in Pfullingen 2012

Das Bewerbungsgespräch

Eine kleine Geschichte, die mir in Anbetracht meines Zustandes und anderer Gegebenheiten durch den Kopf geschossen ist.

„Versuch es doch wenigstens!“ Genervt schaute ich in sein Gesicht. Ich war verzweifelt, weil es einfach nicht in seinen Kopf reinging, dass er nichts verlieren konnte, wenn er es wenigstens probieren würde. Aber er wollte nicht. Er hatte es geschafft, es sich selbst einzureden, dass er nicht gut genug dafür war. Dabei war er der Beste, den ich kannte.

„Jetzt hast du schon ein Bewerbungsgespräch und du willst nicht hin. Ich versteh dich einfach nicht. Mehr als Nein sagen kann er nicht und wenn du es nicht probierst, dann kriegst du die Stelle sowieso nicht.“

Am liebsten hätte ich ihn gepackt und ihn kräftig durchgeschüttelt, aber es hätte auch nicht viel gebracht. Außerdem hätte ich wohl Angst gehabt, ihn unter meinem Griff zu zerbrechen.
Ich hörte ihn seufzen. Er wusste, dass ich Recht hatte, aber er hatte Angst eine Absage zu bekommen, wie schon so oft davor. Ich konnte es ja nachvollziehen, ich hatte ja selbst schon so oft Absagen bekommen, aber er war gut, er war einfach nur hoffnungslos schüchtern bei Bewerbungsgesprächen.

Er hatte vor zwei Monaten seinen Abschluss in Linguistik gemacht und suchte nun eine Stelle als Übersetzter oder Lektor. Eigentlich etwas, von dem man ausgehen sollte, dass es sehr gefragt war, wer studierte denn in der heutigen Zeit schon noch Sprachwissenschaften? Zumindest dachte sich das wohl der Großteil der Bevölkerung, aber es war ein Vorurteil zu denken, dass es ein aussterbender Studiengang war. Bücher wurden immer noch liebend gerne gelesen und die meisten Verlage suchten gute Lektoren und noch bessere Übersetzter. Er war beides, nur konnte er das nicht rüberbringen.

Zu Vorstellungsgesprächen wurde er auch reihenweise eingeladen, aber dann schien es immer schief zu gehen. Ich wusste nicht woran es lag, ich wusste, dass er auch unter Druck arbeiten konnte, aber ich wusste, leider, auch, dass er sehr schüchtern war und sich kleiner machte, als er musste.
Jetzt hatte er nochmals ein Bewerbungsgespräch. Seine letzte Chance, bei einem riesen Verlag. Aber ich wusste auch, dass so gut wie niemand genommen wurde. Vielleicht einer von 300 reinkommenden Bewerbungen. Vielleicht waren es auch mehr Bewerbungen. Die Stelle war so begehrt, es schien fast an Fanatismus, wie man die Stelle anpries.
Aber er hatte es geschafft eingeladen zu werden. Jetzt musste er nur noch hingehen und zeigen, dass er der Beste war.

Es war sogar ein offenes Geheimnis, wie die Vorstellung ablaufen würde. Der Chef des Verlages würde, nach zehn minütiger Verspätung, genervt den Raum betreten, ihm einen viel zu langen Text vor die Nase knallen und ihm anordnen, diesen innerhalb von zehn Minuten, was viel zu wenig Zeit war, für die Länge des Textes, zu übersetzen. Pünktlich nach diesen zehn Minuten würde er ihm die Blätter unter der Nase wegreisen, egal wo man grade stand und ihn dann alleine lassen. Danach kam kurz und knapp die Entscheidung. Bei all seinen Mitstudierenden, die es geschafft hatten, so weit zu kommen, war diese bisher negativ ausgefallen.

Kurz schaute er mich an, sein Blick war leer, verzweifelt. Er glaubte nicht an sich, dass konnte ich in seinen Augen lesen.
„Das schaffe ich doch nie. Alle sind durchgehagelt. Keiner wurde genommen. Da muss ich doch gar nicht erst hin.“

Mit diesen Worten packte ich ihn erst Recht an den Schultern. Jetzt schüttelte ich ihn wirklich leicht, bis ich merkte, was ich tat. Ich hatte immer noch Angst ihn zu zerbrechen. Sattdessen schaute ich ihm fest in die Augen.
„Hör mir mal genau zu. Soll ich dir sagen, warum noch keiner die Stelle bekommen hat? Weil sie Dir gehört. Außerdem waren alle zu dumm, diesen Kerl zu durchschauen.“

Jetzt schaute er mich mehr verwundert als verzweifelt an. Wahrscheinlich hatte ich ihn irritiert, dabei fragte ich mich, warum noch keiner hinter die Taktik von diesem, augenmerklich, herablassenden Chef gekommen war. Mir war manchmal echt unverständlich, warum alle diese Stelle haben wollten, wenn der Chef doch so ein Arsch zu sein schien.

„Es ist doch eigentlich ganz einfach. Er will euch testen. Er will wissen, wie widerstandsfähig ihr seid. Es geht nicht darum, den kompletten Text zu übersetzten, es geht darum einen kühlen Kopf zu bewahren und ihm kontra zu geben.“

Jetzt schaute er mich noch verwirrter an. Er war wirklich süß, wie er so dreinschaute. Wie ein verlorenes Hündchen.
„Wie meinst du das?“ Er flüsterte fast. Seine Augen stachen direkt in meine.

„Ganz einfach. Er weiß doch, dass man den kompletten Text nicht so schnell fertig kriegt. Aber in der Branche wirst du immer unter Zeitdruck arbeiten müssen. Also stellt er euch genau vor diese Situation. Also zeig, dass du damit umgehen kannst.“

Er verstand es immer noch nicht. Aber ich hatte alle Zeit der Welt es ihm zu erklären und genau das tat ich auch. Bis in die Nacht saß ich da und erklärte ihm ruhig und gelassen, zumindest soweit ich mich beherrschen konnte, was er tun musste. Ich schaffte es wirklich, ihn zu bewegen das Bewerbungsgespräch anzunehmen.

****

Drei Tage später saß er wirklich da und wartete. Er wartete, dass er die Blätter auf den Tisch geknallt bekommen würde, um gesagt zu bekommen, dass er zehn Minuten Zeit hatte. Sein Blick wanderte zu Uhr. Noch eine Minute, noch 50 Sekunden, 40, 30, 20, er hörte Schritte, schnell, wütend schlugen sie auf den Boden auf, noch 10, er hörte sie immer näher kommen, auf einmal waren sie weg, verstummt, 9, 8, 7, die Klinke wurde auf einmal mit einem gewaltigen Schlag runter gedrückt, 6, 5, 4, sie wurde aufgerissen, mit einem Schwung an die Wand geknallt, 3, er trat ein, 2, er stand neben ihm, sah ihn an, musterte ihn mit abschätzigem Blick, „nur nicht zucken, keine Angst zeigen“ schoss ihm durch den Kopf, 1, die Blätter wurden auf den Tisch geknallt, 0.

„Sie haben zehn Minuten Zeit, diesen Text zu übersetzten. Sie brauchen gar nicht ankommen, wenn sie nicht alles fertig haben, ich verschwende meine Zeit nicht an halben Sachen, Herr Steinbacher.“ Mit diesen Worten drehte er sich um und verschwand aus dem Zimmer. Wieder knallte die Türe, als sie ins Schloss fiel, dann herrschte Stille.

Erst jetzt sackte er in sich zusammen. Er hatte es überstanden. Zumindest für die nächsten zehn Minuten. Kurz holte er Luft, dann wagte er den Blick auf den Text. Er stöhnte. Er war lang, aber das war ja zu vermuten gewesen. Aber er war dazu auch noch anspruchsvoll. Man musste wissen, um was es ging, musste sich einlesen, musste sich entscheiden, ob man Eigennamen übersetzte oder stehen ließ. Man musste Sprache lieben, um das zu bewerkstelligen. Sie hatte Recht gehabt. Es ging nicht um das bloße Übersetzen, es ging um Konzentration, Würde und Stärke. Er würde dagegenhalten.

Schnell überflog der den kompletten Text. Er brauchte nicht mehr lange für so etwas. Es war eine natürliche Gabe von ihm, dass wichtigste zu erfassen. Danach schaute er sich die schwierigen Stellen genauer an. Dann erst fing er an.

Er schrieb, strich durch, schrieb erneut. Immer und immer wieder, lies sich den Klang der Wörter durch den Kopf gehen, fragte sich, ob es so passte oder nicht. Manche Stellen las er sich sogar selbst laut vor, um zu hören, wie die Aneinanderreihung der Wörter im Raum nachhallte.
Sprache war ein natürlicher Weg, die Stille zu füllen. Aber er wollte es zur Kunst hinaufheben und alles einen melodiösen Klang mitgeben. Er wollte die Stille nicht nur füllen, er wollte sie ausmalen, ausschmücken, verewigen, bannen mit Stift und Papier.

Viel zu schnell gingen die zehn Minuten um und als er, kurz vor dem Ende der Zeit, den Stift zur Seite legte, kam ihm das Blatt viel zu leer vor. Aber er hatte ihre Worte im Hinterkopf. „Leg den Stift schon vorher weg. Gib ihm nicht die Genugtuung, dir das Blatt unter den Finger wegzureißen, gib es ihm in die Hand auch wenn du nicht fertig bist. Es ist egal, du sollst ja gar nicht fertig sein, du sollst nur so aussehen, als ob du es wärst. Haltung bewahren, darauf kommt es an.“

Wieder tickte der Zeiger der Uhr, wieder wiederholten sich die Schritte, das Runterdrücken der Klinke, das Knallen der Tür. Aber er erwartete es. Mit wachen Augen stand er da, wie eine Mauer und er konnte förmlich die Augen seines Gegenübers vor Überraschung blitzen sehen, als ihm die Blätter abgenommen wurden. Dann war er wieder allein.

Auf einmal verließ ihn all sein Mut. Wie hatte er nur so selbstüberzeugt, so unbedacht handeln können. Sicher war damit die Chance auf diese Stelle für immer verloren. All seine Kraft war auf einmal weg. Er wusste nicht wieso, aber irgendwo in seinen Knochen fühlte er, dass er verloren hatte.

Langsam und träge schlichen sich nun die Sekunden hin. Ihm wurde immer erzählt, dass man schnell seine Absage bekam. Keine fünf Minuten Wartezeit musste man in Kauf nehmen, bevor man zu Boden geschmettert wurde. Aber er saß da und die Zeit wollte nicht vergehen. Es kam ihm unendlich vor und als er seinen Blick von den Zeigern löste, die tickten und tickten, um sich ein klares Bild von der Distanz der Minuten machen zu können, stellte er verwundert fest, dass schon fast 20 Minuten vergangen waren.

Auf einmal begann etwas in ihm zu glimmen. Etwas, sehr leise zwar, aber es war da, flüsterte ihm zu, dass es doch wohl ungewöhnlich war, was hier passierte. Ein kleiner Funke war entfacht, der Hoffnung in ihm schürte.

So sehr in seiner Emotionswelt eingeschlossen, merkte er gar nicht, dass die Türe sich wieder öffnete. Leise diesmal, ohne Knall, ohne schwere Schritte.
Dann ließ der Eingetretene sich in einem der Ledersessel nieder, lies die Blätter wieder auf den Tisch gleiten, schaute ihn an. Lange schaute er ihn an, keiner sagte ein Wort. Dann hörte er ihn sprechen.

„Du bist gut!“

Völlig unverhofft trafen ihn diese Worte. Hätte er jemals damit gerechnet, aus diese Mund lobende Worte zu hören? Das war ein Kompliment, das ihn ganz vergessen ließ, dass es hier um eine Stelle ging. Er hätte sich sogar mit diesen drei Worten zufrieden gegeben, wäre damit glücklich gewesen. Aber es kam noch mehr.

„Du bist der Erste von 50 Leuten, die es hier auf den Stuhl geschafft haben, der nicht versucht hat den kompletten Text innerhalb dieser kurzen zehn Minuten ganz zu übersetzten. Stattdessen hast du den Text Verstanden. Du hast ihm Herzblut gegeben, eine Seele. Das sind zwar nur ein paar Zeilen, die hier stehen, aber es reicht um zu wissen, dass du nicht nur mit Wörtern um dich schmeißt, sondern damit Bilder schaffen willst und Emotionen hervor zu rufen schaffst.“

Stumm starrte er den Sprechenden an. Er konnte nicht glauben was er da hörte. Sie hatte recht gehabt. Sie hatte recht gehabt und nun saß er hier und durfte sich dieses Lob anhören. Er wusste nicht, was er sagen sollte. Zweimal klappte sein Mund auf und zu, bevor er sprechen konnte, bevor er wieder wusste, was Sprache war.

„Danke.“

Er musste wohl sehr eingeschüchtert ausgesehen haben, denn sein Gegenüber fing auf einmal an zu lachen. Er lachte, es dröhnte richtig und so langsam fragte er sich, warum ihn alle immer für griesgrämig hielten, denn das war er anscheinend überhaupt nicht. Es dauerte eine kurze Weile bevor er aufhörte zu lachen.

„Was machst du jetzt, wenn du nach Hause kommst, als frisch gebackener Übersetzer?“

Die Worte pfiffen durch seinen Kopf wie Wind. Es dauerte, bis er dazu in der Lage war zu antworten. Es sprach einfach das aus, was ihm in den Sinn kam. Zu mehr fühlte er sich einfach nicht im Stande.

„Meiner Freundin danken, die mich zu all dem hier gebracht hat. Sie hat mir Ratschläge gegeben.“

Nun wurde er wieder gemustert, allerdings machte es ihm nun weniger aus, denn der Blick, der auf ihm ruhte war nicht forsch, sondern interessiert.

„Dann sag ihr mal schöne Grüße von mir, dass ich mich auch bedanke, dass sie dich hierher gebracht hat. Es ist immer gut, jemanden zu haben, der einem mit Rat und Tat zur Seite steht. Vor allem, wenn man solche Ratschläge auch annehmen kann.“

Darauf wusste er nichts zu erwidern. Es wollte sich keine Antwort in seinem Kopf formen. Doch bevor er irgendeine Floskel bilden konnte, wurde er schon wieder angegrinst.

„Ich hoffe doch, es ist deine feste Freundin.“

Beißend schnell schoss ihm die Röte in die Wangen. Sein Kopf glühte in Sekundenschnelle auf. Er war sich sicher, dass er röter als jede Tomate war.

„Nein, nein ist sie nicht.“ Er flüsterte. „Noch nicht.“

„Na dann hoffe ich, dass du das schnell änderst. Immerhin hat sie dir diesen Job beschert.“

Lachend stand er auf, gab ihm die Hand und entließ ihn. Er bildete sich sogar noch ein, dass man ihm ein „Bis nächste Woche“ hinterher rief.

Erst als er auf der Straße stand und der kühle Wind durch seine Haare wehte, wurde ihm klar, was das bedeutete. Er hatte die Stelle. Er hatte es geschafft. Er hatte die Chance genutzt. Er war offiziell Übersetzter im begehrtesten Verlag.

Beschwingt grinsend lief er den nassen Asphalt entlang. Durch seinen Kopf schoss das Gespräch mit seinem zukünftigen Chef. Bei den Worten „Na dann hoffe ich, dass du das schnell änderst“ verharrten seine Gedanken kurz. Dann grinste er. Er schien fast von innen heraus zu leuchten.

Wie könnte er sich auch der ersten Anordnung seines Arbeitgebers wiedersetzten?