Der Blumenstrauß

„Das Schönste am Schenken ist das Leuchten in den Augen des Beschenkten.“

Mit leuchtenden Augen kam sie auf mich zugerannt und schon von weitem sah ich das Strahlen auf ihrem Gesicht. Sie hielt mir einen wunderschönen Blumenstrauß hin und mit ihrem süßesten Grinsen sagte meine kleine Cousine „Schau mal, der ist nur für dich. Weil ich dich so lieb habe.“ Lächelnd nahm ich ihr den Strauß aus der Hand. Es waren IMG_1873Wildblumen, die auf der Wiese wuchsen, die neben dem Spielplatz lag. Ich hielt vor allem Löwenzahn und Gänseblümchen in der Hand. Aber bevor ich mich bedanken konnte, dröhnte vom Eingang des Spielplatzes laute Musik zu mir herüber.
Zwei Jungs, die ohne Zweifel aus einer reicheren Familie stammten als ich, ließen HipHop aus ihrem Handy dröhnen, allerdings in einer Lautstärke, die an eine Diskothek erinnerten und nicht an einen Spielplatz. Weil sich meine kleine Cousine schon die Ohren zuhielt, ging ich zu den zwei Jungs rüber, die sich demonstrativ auf die Schaukel setzten obwohl ein kleiner Junge sicher mehr Spaß dran gehabt hätte und mit einem enttäuschten Gesicht zu seiner Mutter zurück lief. Innerlich schüttelte ich den Kopf über die zwei Jungs, die ich auf noch nicht mal 18 schätze. Auch wenn sie mit ihrem Auftreten wohl glaubten älter zu wirken als sie es wirklich waren.
„Hey ihr zwei. Könnt ihr bitte die Musik ein bisschen leiser machen? Die Kids wollen hier in Ruhe spielen.“ Die Mutter des kleinen Jungen nickte mir aufmunternd zu, aber schon an dem abfälligem Blick des etwas Größerem merkte ich, dass ich wohl nicht wirklich viel bewirken würde.
Hatte ich auch nicht, denn anstatt einer Antwort bekam ich nur ein abfälliges Lachen. Auch nach erneutem Bitten bekam ich nur eine abfällige Bemerkung, dessen grober Inhalt wohl darauf anzuspielen versuchte, dass ich mir erst mal richtige Klamotten leisten solle, bevor ich irgendwelche Ansprüche stelle.
Kopfschüttelnd ging ich zu meiner Cousine Mimi zurück, die mich mit großen Augen anschaute und nahm sie an der Hand. „Waren die Jungs gemein zu dir?“ Ich fand es immer wieder erstaunlich wie unglaublich direkt kleine Kinder sein konnten. „Mach dir keine Sorgen. Ich habe die beiden Jungs nur gebeten, die Musik leiser zu machen.“ Immer noch schaute sie mich mit großen Kinderaugen an. Aber sie hatte ja Recht. Leiser war die Musik immer noch nicht. „Bekomme ich meinen Blumenstrauß nochmal zurück?“ Ich hatte den Strauß in meiner Hand ganz vergessen, wunderte mich aber, dass Mimi ihn wiederhaben wollte.
Als sie ihn wieder in der Hand hatte, ging meine kleine Cousine mit großen Schritten auf die beiden Jungs zu, die ihre Musik immer noch laut dröhnend abspielten. Am Anfang merkten die zwei noch nicht mal, dass jemand auf sie zu kam, aber als Mimi dann vor ihnen stand, konnten selbst die zwei sie nicht mehr ignorieren.
Inzwischen sah ich mit großen Augen zu, wie Mimi den beiden den Blumenstrauß hin hob und etwas sagte, was ich allerdings durch die Musik nicht verstehen konnte. Ich konnte es mir aber vorstellen als meine kleine große Cousine mit einem Lächeln zu mir zurückkam, mit leeren Händen, allerdings dafür mit strahlenden Augen, die wie Diamanten funkelten. Die Jungs hatten inzwischen die Musik ausgeschalten und standen etwas verdutzt da, Gänseblümchen und Löwenzahn in der Hand, als Mimi meinte „Ich mach dir noch einen Blumenstrauß“.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s