Kinder des Lichts

„Bei dir funktioniert das ja, aber bei mir nicht!“
Wer glaubt schon daran, dass Gott wirklich Leben verändern kann, wenn man ihn noch nie gespürt hat?
Und selbst man man vielleicht mal eine Ahnung hatte, dass Gott da ist, wer lässt sich schon wirklich darauf ein, dass Gott sein Leben verändert.

Eine sehr gute Freundin von mir hat auf ihrem Blog eine wunderbare Aktion gestartet. Sie bittet Freunde, Bekannte und Unbekannte Ihre ganz eigenen Geschichten mit Gott aufzuschreiben und diese Ihr zu schicken. Sie will die Gesichten der „Kinder des Lichts“ sammeln und so zeigen, dass Gott es wirklich kann: Leben verändern.
Den jedes Leben ist genauso einzigartig wie die Gesichte die dahinter steht und sie hofft, dass diese Gesichten Menschen berühren können, sie dazu ermutigen können sich auf Gott einzulassen. Zumindest sollen sie zeigen, dass es funktioniert. Das Gott wirklich helfen und verändern kann.

Auch ich habe meine Gesichte mit Gott für sie aufgeschrieben und möchte diese hier nochmal für euch zum lesen teilen. Alle Gesichten und mehr Infos findet ihr hier.
Und wenn ihr auch eine Gesichte mit Gott habt, dann wird sie sich sicher freuen, wenn ihr die Gesichte aufschreibt, ihr schickt. Denn jeder von uns ist ein Kind des Lichts.

Meine Gesichte: Entscheidung für Gott
Sich für Gott zu entscheiden ist etwas, was man immer wieder in seinem Leben machen muss.

Ich habe schon in meiner Kindheit von Gott erzählt bekommen. Während ich bei unserem heimischen Posaunenchor bei den Jungbläsern war, wurden uns immer wieder Geschichten von Gott erzählt. Ich wusste, dass Jesus für mich gestorben ist und ich wusste, dass es etwas großes ist. Aber so richtig verstanden habe ich das damals mit einen 8 Jahren noch nicht. Trotzdem habe ich mich für Gott entschieden, weil mein Herz trotz allem verstanden hat, dass Gott mich liebt.

So habe ich gelebt bis zu meiner Konfirmandenzeit. Damals hatte ich in der Schule ziemliche Probleme mit meiner Klasse. Klassisch gesagt war ich wohl ein typisches Mobbingopfer. Ich wurde gehänselt und hatte eigentlich keine Freunde. Einsamkeit war damals mein ständiger Begleiter. Umso schöner war es, in den Konfirmandenunterricht zu gehen und dort Leute zu treffen, die mich mögen bzw. mich akzeptiert haben. Auch dort habe ich von Gott erzählt bekommen und obwohl ich seine Liebe durch meine Einsamkeit fast vergessen hatte, habe ich an dem entscheidenden Punkt, wo ich buchstäblich die Klinge am Arm hatte und mich zwischen Leben und Tod entscheiden konnte, für Gott entschieden. Für Gott und das Leben. Heute bin ich wahnsinnig froh, dass Gott mich damals vor dem Schmerz bewahrt hat. Ich trage heute keine Narben am Arm. Das verdanke ich Gott und seiner Kraft, die er mir damals geschenkt hat, dass Leben zu akzeptieren und zu leben.

Weiter ging es in meinem Leben. In der Schule ist es besser geworden. Ich bin älter geworden und wahrscheinlich auch um einiges reifer, als ich es damals war. Immer noch war ich im Posaunenchor aktiv. Inzwischen fest im Chor, sind unsere Jungbläser leider ausgeblieben. Also habe ich mich dazu bereit erklärt ein Seminar für Jungbläserleiter zu machen und unsere Gruppe zu leiten. Auf dem Seminar habe ich viele tolle Menschen kennen gelernt und am Ende, als wir bei einem Abschiedsgottesdienst uns alle an den Händen gehalten haben, wusste ich, dass dieses Gefühl der Zugehörigkeit nicht wieder geht. Auch wenn ich diese Menschen vielleicht nie wieder sehen würde. Aber ich hatte Gott in meinem Herzen gehabt und er hat mich ausgefüllt und nach all der Leere die ich kannte, war dieses Gefühl der Fülle etwas vollkommen Neues für mich. Ein Gefühl das ich festhalten wollte und ich wusste, dass Gott mir dieses Gefühl immer und immer wieder schenken kann und will, wenn ich an ihn glaube. Wieder habe ich mich für Gott entschieden und für seine Güte.

Durch dieses Seminar und viele Zufälle und Aneinanderkettungen von Ereignissen bin ich auf meinem ersten christlichem Festival gelandet. Die Musik zu erleben, die so erfüllt ist von Jesus Gnade und Güte war unglaublich. Außerdem ist es einfach toll in der Menge zu stehen und zu feiern. Dabei meine ich Rockmusik und keine Kirchenchoräle. Man kann zu christlicher Rockmusik genauso abtanzen wie zu normaler, auch wenn das manchmal schwer zu glauben ist, wenn man Sonntags nur die Kirchenlieder kennt.

Musik hat mich schon immer begleitet und dort in der Menge zu stehen war unglaublich. Als ich abends die Sterne gesehen habe, wusste ich, wie sehr Gott es gefällt zu sehen, wie tausende Jugendliche ihn feiern. Ich war wahnsinnig glücklich und Gott schien so nah, wie eigentlich noch nie.

Dieses Festival hatte sich so in meinen Kopf eingebrannt und in den von zwei Freundinnen, dass wir aus einer Gedankenspielerei mit viel Anstrengung unser eigenes Festival aus dem Boden gestampft haben. Wir haben ein Jahr unseres Lebens in dieses erste Festival gesteckt und es gab Momente in denen ich am liebsten aufgegeben hätte. Ich wollte alles hinschmeißen, als unsere Veranstalter, die wir mit viel Mühe überzeugen konnten, sich quer gestellt haben. Als wir unermüdlich Sponsoren gesucht haben und trotzdem das Gefühl hatten, es reicht mit dem Geld vorne und hinten nicht. Aber dann hab ich mich wieder daran erinnert, wofür wir das machen und Gott hat mir die Kraft geschenkt weiter zu machen. Ich habe mich in dieser Zeit dafür entschieden meine Energie in ein Projekt zu stecken, das ganz Gott gewidmet ist und habe dafür einen wunderbaren Tag geschenkt bekommen, an dem über 300 Besuchern mit 6 Bands Gott mit mir gefeiert haben. Außerdem hat sich mein Berufswunsch daraus klar herauskristallisiert und heute mache ich meine Ausbildung als Veranstaltungskauffrau und habe mich ganz der Musik verschrieben. Heute wie damals und auch bei unserem zweiten Festival stand immer Gott im Vordergrund. Ich habe die Musik ihm gewidmet und erfahre dadurch jeden Tag Erfüllung in dem was ich tue.

Doch auch das Festival war irgendwann vorbei, genauso wie das zweite und dazwischen, sowie danach, ist auch für mich die Zeit nicht stehen geblieben.

Wie sehr ich damals Gott gespürt habe, genauso sehr habe ich auch schon das Gefühl gehabt Gott verloren zu haben. Wie es so ist, wenn man vom Mädchen zur Frau wird, habe auch ich mich verliebt. Ich habe wohl bis heute kein glückliches Händchen bei den Männern und Liebe war und ist etwas sehr schmerzvolles für mich. Sich in jemanden zu verlieben, der keine Gefühle für einen hat ist etwas sehr schwieriges. Dazu kam bei mir, dass ich noch damit zu kämpfen hatte, dass ein ehemaliger Freund sich in mich verliebt hatte und mich dazu gebracht hat, mich mehr hinzugeben als gut für mich war. Viel kam auf einmal zusammen und hat mich sehr verletzt. Diese zwei Jahre, die für mich ein pures Gefühlschaos waren, sind bis jetzt wohl mit die dunkelsten die ich hatte. Ich habe Gott in dieser Zeit vollkommen aus den Augen verloren und obwohl ich schon lange davor Gott meine Gefühle in die Hand gelegt habe und mir geschworen habe, ihm alles zu geben, was mit Liebe zu tun hat, habe ich es damals nicht geschafft. Er hatte in dieser Zeit nichts mitzureden. Dabei wollte ich es so sehr und habe nach Gott geschrien, ihn aber nicht gefunden. Dabei weiß ich heute, dass ich es nie geschafft habe sauer und wütend auf ihn zu sein. Ich dachte immer, dass ich Gott doch nicht beschuldigen kann, weil er doch immer alles richtig macht. Wie könnte ich da dann seine Entscheidungen anzweifeln. Heute weiß ich, dass die Welt nicht so einfach ist und man Gott nicht in schwarz und weiß aufteilen kann. Auch die Welt ist nicht schwarz und weiß und Gott muss nicht nur mit meiner Entscheidung leben, sondern mit denen von allen Menschen auf dieser Welt. Doch macht Gott immer das Beste aus jeder Situation und geht mit uns auch durch die schwärzeste Dunkelheit. Auch wenn wir es manchmal nicht sehen.

Auf einer Freizeit habe ich dann von einem Menschen, der mir damals sehr viel bedeutet hat und heute leider weit weg von mir ist, ein Kreuz geschenkt bekommen. Es war nichts großes, nur eine Kette, die er immer getragen hat und mir zum Geburtstag geschenkt hat. Doch diese Kette hat mir etwas gezeigt, was ich lange vergessen hatte: Nämlich das Gottes Liebe ein Geschenk ist, dass ich nur annehmen kann und nicht zu verstehen brauche und das ich nicht finden kann oder erzwingen kann. Während dieser Freizeit haben mir viele Gespräche geholfen mich wieder ganz neu für Gott zu entscheiden und auch zu wissen, dass Gott sich immer, schon bevor ich geboren war, für mich entschieden hat.

Heute stehe ich da, immer noch mit vielen Zweifel und Ängsten. Immer noch mit Einsamkeit im Herzen, immer noch nicht glücklich verliebt oder vergeben. Ich stehe da und entscheide mich immer wieder für Gott. Es ist manchmal nicht einfach, weil die Probleme so übermächtig scheinen, aber es ist möglich durch meine Freunde, die mir helfen. Durch Musik die mich bewegt oder einfach durch eine Sternschnuppe die mir zeigt, dass Gott immer da ist und mich liebt.

Ich weiß, dass ich mich in meinem Leben immer wieder für Gott entscheiden muss. Es wird immer wieder Situationen geben, die mich auf die Probe stellen. Ich werde immer wieder Fehler machen, die mich von Gott weg ziehen. Aber das Schöne daran ist, dass Gott mich immer wieder aufnimmt, auch wenn ich mich von ihm entferne. Er nimmt meine Entscheidung immer wieder lächelnd an, wenn ich mich für ihn entscheide und er gibt mir immer wieder die Chance und die Möglichkeit, dass ich mich für ihn entscheide. Eine Entscheidung die ich immer wieder gerne fälle und von der ich weiß, dass es sich lohnt, ihr die Chance zu geben, dein Leben zu verändern.

Der Blumenstrauß

„Das Schönste am Schenken ist das Leuchten in den Augen des Beschenkten.“

Mit leuchtenden Augen kam sie auf mich zugerannt und schon von weitem sah ich das Strahlen auf ihrem Gesicht. Sie hielt mir einen wunderschönen Blumenstrauß hin und mit ihrem süßesten Grinsen sagte meine kleine Cousine „Schau mal, der ist nur für dich. Weil ich dich so lieb habe.“ Lächelnd nahm ich ihr den Strauß aus der Hand. Es waren IMG_1873Wildblumen, die auf der Wiese wuchsen, die neben dem Spielplatz lag. Ich hielt vor allem Löwenzahn und Gänseblümchen in der Hand. Aber bevor ich mich bedanken konnte, dröhnte vom Eingang des Spielplatzes laute Musik zu mir herüber.
Zwei Jungs, die ohne Zweifel aus einer reicheren Familie stammten als ich, ließen HipHop aus ihrem Handy dröhnen, allerdings in einer Lautstärke, die an eine Diskothek erinnerten und nicht an einen Spielplatz. Weil sich meine kleine Cousine schon die Ohren zuhielt, ging ich zu den zwei Jungs rüber, die sich demonstrativ auf die Schaukel setzten obwohl ein kleiner Junge sicher mehr Spaß dran gehabt hätte und mit einem enttäuschten Gesicht zu seiner Mutter zurück lief. Innerlich schüttelte ich den Kopf über die zwei Jungs, die ich auf noch nicht mal 18 schätze. Auch wenn sie mit ihrem Auftreten wohl glaubten älter zu wirken als sie es wirklich waren.
„Hey ihr zwei. Könnt ihr bitte die Musik ein bisschen leiser machen? Die Kids wollen hier in Ruhe spielen.“ Die Mutter des kleinen Jungen nickte mir aufmunternd zu, aber schon an dem abfälligem Blick des etwas Größerem merkte ich, dass ich wohl nicht wirklich viel bewirken würde.
Hatte ich auch nicht, denn anstatt einer Antwort bekam ich nur ein abfälliges Lachen. Auch nach erneutem Bitten bekam ich nur eine abfällige Bemerkung, dessen grober Inhalt wohl darauf anzuspielen versuchte, dass ich mir erst mal richtige Klamotten leisten solle, bevor ich irgendwelche Ansprüche stelle.
Kopfschüttelnd ging ich zu meiner Cousine Mimi zurück, die mich mit großen Augen anschaute und nahm sie an der Hand. „Waren die Jungs gemein zu dir?“ Ich fand es immer wieder erstaunlich wie unglaublich direkt kleine Kinder sein konnten. „Mach dir keine Sorgen. Ich habe die beiden Jungs nur gebeten, die Musik leiser zu machen.“ Immer noch schaute sie mich mit großen Kinderaugen an. Aber sie hatte ja Recht. Leiser war die Musik immer noch nicht. „Bekomme ich meinen Blumenstrauß nochmal zurück?“ Ich hatte den Strauß in meiner Hand ganz vergessen, wunderte mich aber, dass Mimi ihn wiederhaben wollte.
Als sie ihn wieder in der Hand hatte, ging meine kleine Cousine mit großen Schritten auf die beiden Jungs zu, die ihre Musik immer noch laut dröhnend abspielten. Am Anfang merkten die zwei noch nicht mal, dass jemand auf sie zu kam, aber als Mimi dann vor ihnen stand, konnten selbst die zwei sie nicht mehr ignorieren.
Inzwischen sah ich mit großen Augen zu, wie Mimi den beiden den Blumenstrauß hin hob und etwas sagte, was ich allerdings durch die Musik nicht verstehen konnte. Ich konnte es mir aber vorstellen als meine kleine große Cousine mit einem Lächeln zu mir zurückkam, mit leeren Händen, allerdings dafür mit strahlenden Augen, die wie Diamanten funkelten. Die Jungs hatten inzwischen die Musik ausgeschalten und standen etwas verdutzt da, Gänseblümchen und Löwenzahn in der Hand, als Mimi meinte „Ich mach dir noch einen Blumenstrauß“.

Das Ende

Sie war dem Ende ganz nahe. Sie sah es, fühlte es zwischen ihren Fingern und doch, es wollte sich ihr einfach nicht auftun. Es wollte ihr immer noch keinen Hinweis darauf geben, wie es ausgehen würde.
Sie hatte keine Angst, auch wenn sie eine genaue Vorstellung von dem, was kommen würde, hatte, von dem Ende, dass sie in ihren Händen hielt. Trotzdem beschlich sie dieses nervös, kribbelnde Gefühl, so dass ihre Finger zuckten und ihr Körper in vollkommene Anspannung verfiel.
Sie wollte weiter und weiter und doch hätte sie fast aufgehört, Schluss gemacht und einfach alles beiseitegelegt. Sich etwas anderem zugewandt. Aber sie konnte nicht. Es ging einfach nicht. Sie konnte nicht alles beiseitelege, die ganze Anspannung und das nervöse Kribbeln einfach ignorieren.
Dabei sagte ihr eine leise Stimme, die in ihrem Kopf rumspukte, dass es besser wäre, dass es doch da noch so viel anderes gab, was dringender war, viel wichtiger. Doch was konnte wichtiger sein, als das Ende hier, von dem sie nur noch so wenige Zentimeter entfernt war?
All die Anspannung, das nahe Erwarten, ihre Neugierde, all das übertönte mit Leichtigkeit ihr Gewissen. Sie hatte auch wann anders noch Zeit für anderes.
Außerdem, brachte man ihnen nicht immer bei, dass zu Ende zu bringen, was man angefangen hatte? Wie könnte sie also, als wohlerzogenes Mädchen, einfach aufhören und etwas anderes machen? Nein sie würde hier bleiben und das Ende mit offenen Armen empfangen. Sie brannte schon richtig drauf.
Es raschelte leise und ihre Augen flitzten immer schneller hin und her. Auf einmal sog sie erschrocken die Luft ein. Das konnte nicht sein, alles war so anders, so gar nicht dem entsprechend, was sich schon tausende Male in Ihrem Kopf abgespielt hatte und auch wenn sich das Bild in ihren Gedanken immer wieder verändert hatte, so war es doch immer in seinen Grundzügen gleich geblieben. Das hier passte nicht. Es passte so gar nicht zu dem Bild in ihrem Kopf. Das konnte nicht wahr sein. Das war falsch, einfach falsch.
Wie in Trance verfolgten ihre Augen die Spur zum Ziel. Immer schneller und schneller wurde sie. Umso mehr alles in die falsche Bahn ging und von dem abwich, was sie so klar vor sich gesehen hatte, umso schneller wurde sie. Aber es brachte nichts, es half einfach rein gar nichts. Es blieb falsch, es war so anders.
Zeit spielte auf einmal keine Rolle mehr, sie hätte nicht sagen können, wie viel Zeit vergangen war, sie hätte nicht sagen können ob Stunden oder Sekunden. Es verschwamm alles, nur das Ziel, das Ende war wichtig.
Doch dann, auf leisen Pfoten, doch sanft, schlich sich ein Lächeln auf Ihr Gesicht. Immer mehr verwandelte es sich zu einem Grinsen, je weiter sie voranschritt, umso breiter wurde es. Sie hatte gar nicht richtig mitbekommen, wie sich wieder alles gewandelt hatte, doch auf einmal war es wieder in Ordnung, ihr Bild wieder eine Kopie des Wahren.
Am Ende hatte es doch gepasst und sie hatte es geschafft. Sie war angekommen. Sie war am Ziel, am Ende. Es war anders und doch gleich, wie das was sie immer wie ein Videoband in ihrem Kopf gesehen hatte. Es war besser.
Noch lange ließ sie all die Eindrücke nachhallen, dann schlug sie mit einem lauten Knall das Buch zu und stellte es zurück in ihr Regal. Langsam strich sie mit den Fingern über die Bücherrücken. Dann verweilte sie auf einem neuen Buch. Aber das würde sie sich für morgen aufheben.

Das Bewerbungsgespräch

Eine kleine Geschichte, die mir in Anbetracht meines Zustandes und anderer Gegebenheiten durch den Kopf geschossen ist.

„Versuch es doch wenigstens!“ Genervt schaute ich in sein Gesicht. Ich war verzweifelt, weil es einfach nicht in seinen Kopf reinging, dass er nichts verlieren konnte, wenn er es wenigstens probieren würde. Aber er wollte nicht. Er hatte es geschafft, es sich selbst einzureden, dass er nicht gut genug dafür war. Dabei war er der Beste, den ich kannte.

„Jetzt hast du schon ein Bewerbungsgespräch und du willst nicht hin. Ich versteh dich einfach nicht. Mehr als Nein sagen kann er nicht und wenn du es nicht probierst, dann kriegst du die Stelle sowieso nicht.“

Am liebsten hätte ich ihn gepackt und ihn kräftig durchgeschüttelt, aber es hätte auch nicht viel gebracht. Außerdem hätte ich wohl Angst gehabt, ihn unter meinem Griff zu zerbrechen.
Ich hörte ihn seufzen. Er wusste, dass ich Recht hatte, aber er hatte Angst eine Absage zu bekommen, wie schon so oft davor. Ich konnte es ja nachvollziehen, ich hatte ja selbst schon so oft Absagen bekommen, aber er war gut, er war einfach nur hoffnungslos schüchtern bei Bewerbungsgesprächen.

Er hatte vor zwei Monaten seinen Abschluss in Linguistik gemacht und suchte nun eine Stelle als Übersetzter oder Lektor. Eigentlich etwas, von dem man ausgehen sollte, dass es sehr gefragt war, wer studierte denn in der heutigen Zeit schon noch Sprachwissenschaften? Zumindest dachte sich das wohl der Großteil der Bevölkerung, aber es war ein Vorurteil zu denken, dass es ein aussterbender Studiengang war. Bücher wurden immer noch liebend gerne gelesen und die meisten Verlage suchten gute Lektoren und noch bessere Übersetzter. Er war beides, nur konnte er das nicht rüberbringen.

Zu Vorstellungsgesprächen wurde er auch reihenweise eingeladen, aber dann schien es immer schief zu gehen. Ich wusste nicht woran es lag, ich wusste, dass er auch unter Druck arbeiten konnte, aber ich wusste, leider, auch, dass er sehr schüchtern war und sich kleiner machte, als er musste.
Jetzt hatte er nochmals ein Bewerbungsgespräch. Seine letzte Chance, bei einem riesen Verlag. Aber ich wusste auch, dass so gut wie niemand genommen wurde. Vielleicht einer von 300 reinkommenden Bewerbungen. Vielleicht waren es auch mehr Bewerbungen. Die Stelle war so begehrt, es schien fast an Fanatismus, wie man die Stelle anpries.
Aber er hatte es geschafft eingeladen zu werden. Jetzt musste er nur noch hingehen und zeigen, dass er der Beste war.

Es war sogar ein offenes Geheimnis, wie die Vorstellung ablaufen würde. Der Chef des Verlages würde, nach zehn minütiger Verspätung, genervt den Raum betreten, ihm einen viel zu langen Text vor die Nase knallen und ihm anordnen, diesen innerhalb von zehn Minuten, was viel zu wenig Zeit war, für die Länge des Textes, zu übersetzen. Pünktlich nach diesen zehn Minuten würde er ihm die Blätter unter der Nase wegreisen, egal wo man grade stand und ihn dann alleine lassen. Danach kam kurz und knapp die Entscheidung. Bei all seinen Mitstudierenden, die es geschafft hatten, so weit zu kommen, war diese bisher negativ ausgefallen.

Kurz schaute er mich an, sein Blick war leer, verzweifelt. Er glaubte nicht an sich, dass konnte ich in seinen Augen lesen.
„Das schaffe ich doch nie. Alle sind durchgehagelt. Keiner wurde genommen. Da muss ich doch gar nicht erst hin.“

Mit diesen Worten packte ich ihn erst Recht an den Schultern. Jetzt schüttelte ich ihn wirklich leicht, bis ich merkte, was ich tat. Ich hatte immer noch Angst ihn zu zerbrechen. Sattdessen schaute ich ihm fest in die Augen.
„Hör mir mal genau zu. Soll ich dir sagen, warum noch keiner die Stelle bekommen hat? Weil sie Dir gehört. Außerdem waren alle zu dumm, diesen Kerl zu durchschauen.“

Jetzt schaute er mich mehr verwundert als verzweifelt an. Wahrscheinlich hatte ich ihn irritiert, dabei fragte ich mich, warum noch keiner hinter die Taktik von diesem, augenmerklich, herablassenden Chef gekommen war. Mir war manchmal echt unverständlich, warum alle diese Stelle haben wollten, wenn der Chef doch so ein Arsch zu sein schien.

„Es ist doch eigentlich ganz einfach. Er will euch testen. Er will wissen, wie widerstandsfähig ihr seid. Es geht nicht darum, den kompletten Text zu übersetzten, es geht darum einen kühlen Kopf zu bewahren und ihm kontra zu geben.“

Jetzt schaute er mich noch verwirrter an. Er war wirklich süß, wie er so dreinschaute. Wie ein verlorenes Hündchen.
„Wie meinst du das?“ Er flüsterte fast. Seine Augen stachen direkt in meine.

„Ganz einfach. Er weiß doch, dass man den kompletten Text nicht so schnell fertig kriegt. Aber in der Branche wirst du immer unter Zeitdruck arbeiten müssen. Also stellt er euch genau vor diese Situation. Also zeig, dass du damit umgehen kannst.“

Er verstand es immer noch nicht. Aber ich hatte alle Zeit der Welt es ihm zu erklären und genau das tat ich auch. Bis in die Nacht saß ich da und erklärte ihm ruhig und gelassen, zumindest soweit ich mich beherrschen konnte, was er tun musste. Ich schaffte es wirklich, ihn zu bewegen das Bewerbungsgespräch anzunehmen.

****

Drei Tage später saß er wirklich da und wartete. Er wartete, dass er die Blätter auf den Tisch geknallt bekommen würde, um gesagt zu bekommen, dass er zehn Minuten Zeit hatte. Sein Blick wanderte zu Uhr. Noch eine Minute, noch 50 Sekunden, 40, 30, 20, er hörte Schritte, schnell, wütend schlugen sie auf den Boden auf, noch 10, er hörte sie immer näher kommen, auf einmal waren sie weg, verstummt, 9, 8, 7, die Klinke wurde auf einmal mit einem gewaltigen Schlag runter gedrückt, 6, 5, 4, sie wurde aufgerissen, mit einem Schwung an die Wand geknallt, 3, er trat ein, 2, er stand neben ihm, sah ihn an, musterte ihn mit abschätzigem Blick, „nur nicht zucken, keine Angst zeigen“ schoss ihm durch den Kopf, 1, die Blätter wurden auf den Tisch geknallt, 0.

„Sie haben zehn Minuten Zeit, diesen Text zu übersetzten. Sie brauchen gar nicht ankommen, wenn sie nicht alles fertig haben, ich verschwende meine Zeit nicht an halben Sachen, Herr Steinbacher.“ Mit diesen Worten drehte er sich um und verschwand aus dem Zimmer. Wieder knallte die Türe, als sie ins Schloss fiel, dann herrschte Stille.

Erst jetzt sackte er in sich zusammen. Er hatte es überstanden. Zumindest für die nächsten zehn Minuten. Kurz holte er Luft, dann wagte er den Blick auf den Text. Er stöhnte. Er war lang, aber das war ja zu vermuten gewesen. Aber er war dazu auch noch anspruchsvoll. Man musste wissen, um was es ging, musste sich einlesen, musste sich entscheiden, ob man Eigennamen übersetzte oder stehen ließ. Man musste Sprache lieben, um das zu bewerkstelligen. Sie hatte Recht gehabt. Es ging nicht um das bloße Übersetzen, es ging um Konzentration, Würde und Stärke. Er würde dagegenhalten.

Schnell überflog der den kompletten Text. Er brauchte nicht mehr lange für so etwas. Es war eine natürliche Gabe von ihm, dass wichtigste zu erfassen. Danach schaute er sich die schwierigen Stellen genauer an. Dann erst fing er an.

Er schrieb, strich durch, schrieb erneut. Immer und immer wieder, lies sich den Klang der Wörter durch den Kopf gehen, fragte sich, ob es so passte oder nicht. Manche Stellen las er sich sogar selbst laut vor, um zu hören, wie die Aneinanderreihung der Wörter im Raum nachhallte.
Sprache war ein natürlicher Weg, die Stille zu füllen. Aber er wollte es zur Kunst hinaufheben und alles einen melodiösen Klang mitgeben. Er wollte die Stille nicht nur füllen, er wollte sie ausmalen, ausschmücken, verewigen, bannen mit Stift und Papier.

Viel zu schnell gingen die zehn Minuten um und als er, kurz vor dem Ende der Zeit, den Stift zur Seite legte, kam ihm das Blatt viel zu leer vor. Aber er hatte ihre Worte im Hinterkopf. „Leg den Stift schon vorher weg. Gib ihm nicht die Genugtuung, dir das Blatt unter den Finger wegzureißen, gib es ihm in die Hand auch wenn du nicht fertig bist. Es ist egal, du sollst ja gar nicht fertig sein, du sollst nur so aussehen, als ob du es wärst. Haltung bewahren, darauf kommt es an.“

Wieder tickte der Zeiger der Uhr, wieder wiederholten sich die Schritte, das Runterdrücken der Klinke, das Knallen der Tür. Aber er erwartete es. Mit wachen Augen stand er da, wie eine Mauer und er konnte förmlich die Augen seines Gegenübers vor Überraschung blitzen sehen, als ihm die Blätter abgenommen wurden. Dann war er wieder allein.

Auf einmal verließ ihn all sein Mut. Wie hatte er nur so selbstüberzeugt, so unbedacht handeln können. Sicher war damit die Chance auf diese Stelle für immer verloren. All seine Kraft war auf einmal weg. Er wusste nicht wieso, aber irgendwo in seinen Knochen fühlte er, dass er verloren hatte.

Langsam und träge schlichen sich nun die Sekunden hin. Ihm wurde immer erzählt, dass man schnell seine Absage bekam. Keine fünf Minuten Wartezeit musste man in Kauf nehmen, bevor man zu Boden geschmettert wurde. Aber er saß da und die Zeit wollte nicht vergehen. Es kam ihm unendlich vor und als er seinen Blick von den Zeigern löste, die tickten und tickten, um sich ein klares Bild von der Distanz der Minuten machen zu können, stellte er verwundert fest, dass schon fast 20 Minuten vergangen waren.

Auf einmal begann etwas in ihm zu glimmen. Etwas, sehr leise zwar, aber es war da, flüsterte ihm zu, dass es doch wohl ungewöhnlich war, was hier passierte. Ein kleiner Funke war entfacht, der Hoffnung in ihm schürte.

So sehr in seiner Emotionswelt eingeschlossen, merkte er gar nicht, dass die Türe sich wieder öffnete. Leise diesmal, ohne Knall, ohne schwere Schritte.
Dann ließ der Eingetretene sich in einem der Ledersessel nieder, lies die Blätter wieder auf den Tisch gleiten, schaute ihn an. Lange schaute er ihn an, keiner sagte ein Wort. Dann hörte er ihn sprechen.

„Du bist gut!“

Völlig unverhofft trafen ihn diese Worte. Hätte er jemals damit gerechnet, aus diese Mund lobende Worte zu hören? Das war ein Kompliment, das ihn ganz vergessen ließ, dass es hier um eine Stelle ging. Er hätte sich sogar mit diesen drei Worten zufrieden gegeben, wäre damit glücklich gewesen. Aber es kam noch mehr.

„Du bist der Erste von 50 Leuten, die es hier auf den Stuhl geschafft haben, der nicht versucht hat den kompletten Text innerhalb dieser kurzen zehn Minuten ganz zu übersetzten. Stattdessen hast du den Text Verstanden. Du hast ihm Herzblut gegeben, eine Seele. Das sind zwar nur ein paar Zeilen, die hier stehen, aber es reicht um zu wissen, dass du nicht nur mit Wörtern um dich schmeißt, sondern damit Bilder schaffen willst und Emotionen hervor zu rufen schaffst.“

Stumm starrte er den Sprechenden an. Er konnte nicht glauben was er da hörte. Sie hatte recht gehabt. Sie hatte recht gehabt und nun saß er hier und durfte sich dieses Lob anhören. Er wusste nicht, was er sagen sollte. Zweimal klappte sein Mund auf und zu, bevor er sprechen konnte, bevor er wieder wusste, was Sprache war.

„Danke.“

Er musste wohl sehr eingeschüchtert ausgesehen haben, denn sein Gegenüber fing auf einmal an zu lachen. Er lachte, es dröhnte richtig und so langsam fragte er sich, warum ihn alle immer für griesgrämig hielten, denn das war er anscheinend überhaupt nicht. Es dauerte eine kurze Weile bevor er aufhörte zu lachen.

„Was machst du jetzt, wenn du nach Hause kommst, als frisch gebackener Übersetzer?“

Die Worte pfiffen durch seinen Kopf wie Wind. Es dauerte, bis er dazu in der Lage war zu antworten. Es sprach einfach das aus, was ihm in den Sinn kam. Zu mehr fühlte er sich einfach nicht im Stande.

„Meiner Freundin danken, die mich zu all dem hier gebracht hat. Sie hat mir Ratschläge gegeben.“

Nun wurde er wieder gemustert, allerdings machte es ihm nun weniger aus, denn der Blick, der auf ihm ruhte war nicht forsch, sondern interessiert.

„Dann sag ihr mal schöne Grüße von mir, dass ich mich auch bedanke, dass sie dich hierher gebracht hat. Es ist immer gut, jemanden zu haben, der einem mit Rat und Tat zur Seite steht. Vor allem, wenn man solche Ratschläge auch annehmen kann.“

Darauf wusste er nichts zu erwidern. Es wollte sich keine Antwort in seinem Kopf formen. Doch bevor er irgendeine Floskel bilden konnte, wurde er schon wieder angegrinst.

„Ich hoffe doch, es ist deine feste Freundin.“

Beißend schnell schoss ihm die Röte in die Wangen. Sein Kopf glühte in Sekundenschnelle auf. Er war sich sicher, dass er röter als jede Tomate war.

„Nein, nein ist sie nicht.“ Er flüsterte. „Noch nicht.“

„Na dann hoffe ich, dass du das schnell änderst. Immerhin hat sie dir diesen Job beschert.“

Lachend stand er auf, gab ihm die Hand und entließ ihn. Er bildete sich sogar noch ein, dass man ihm ein „Bis nächste Woche“ hinterher rief.

Erst als er auf der Straße stand und der kühle Wind durch seine Haare wehte, wurde ihm klar, was das bedeutete. Er hatte die Stelle. Er hatte es geschafft. Er hatte die Chance genutzt. Er war offiziell Übersetzter im begehrtesten Verlag.

Beschwingt grinsend lief er den nassen Asphalt entlang. Durch seinen Kopf schoss das Gespräch mit seinem zukünftigen Chef. Bei den Worten „Na dann hoffe ich, dass du das schnell änderst“ verharrten seine Gedanken kurz. Dann grinste er. Er schien fast von innen heraus zu leuchten.

Wie könnte er sich auch der ersten Anordnung seines Arbeitgebers wiedersetzten?

Pantomime

Wenn ein Pantomime sein Leben darstellen sollte, dann würde dieser gefangen in Ketten sitzen und sich keinen Schritt vor oder zurück wagen. Er würde den Mund zu einem stummen Schrei aufreißen und kein Laut würde über seine Lippen kommen. Er würde an einer unsichtbaren Mauer entlanglaufen und sehen, dass es keinen Durchgang gibt. Dann würde er gegen eben diese Mauer klopfen, trommeln und sich die Hände wund schlagen, nur um zu sehen, dass es kein Durchkommen gibt. Dass die Mauer nicht von Innen zum Einsturz gebracht werden kann. Er würde verzweifeln und an der Mauer gelehnt hinknien, das Gesicht in den Händen vergraben. Schluchzend, ohne dass irgendwer seine Tränen hört oder sieht. Er würde sich immer kleiner und kleiner machen, bis zu dem Versuch ganz zu verschwinden. Das würde so lange gehen, bis der Versuch glückt oder die Mauer eingetreten wird.
Er ist zwar kein Pantomime, aber das Reden aus dem tiefsten Herzen und Innersten seiner Seele hat er trotzdem verlernt.

Meerestanz

Sie starre ins Leere. Das Einzige was sie wahrnahm, war das Nichts um sie herum. Es füllte sie ganz aus. Das schwarze Nichts, die kalte Leere. Der Rest verschwamm vor ihren Augen. Sie spürte den Wind nicht, der um sie herum an ihren Kleidern zerrte. Der sie immer weiter nach vorne trieb, Millimeter für Millimeter. Sie sah das aufgeschäumte Meer nicht, dass vor ihr unausweichlich an die Klippen peitschte und nach ihr rief. Sie spürte seinen eiskalten festen Griff um ihr Herz. Aber sie nahm in nicht wahr. Sie wusste, dass er da war. Aber es war ihr egal. Das graue Meer schien passend zu sein. Diese graue Stille verschluckte sie. Sie wusste nicht, ob sie im Meer weniger ertrinken würde, als sie es grade tat. Ihre Tränen wurden vom Wind mitgerissen. Alles wurde von ihr fortgetragen. Nichts, dass sie vor dieser Einsamkeit bewahrt hätte. Nichts was ihr blieb. Kein Lächeln, kein Strahlen, keine Träne. Der Wind trug es hinaus und lies sie alleine zurück. Schutzlos. Allein.
Würde es etwas ausmachen, wenn der Wind sie mitnehmen würde? Würde es etwas ausmachen, wenn sie sich dem Ruf des Meeres hingeben würde? Würde es etwas ausmachen, wenn sie ihren Tränen folgen würde? Sie wusste nicht, wen es kümmern sollte. So wie die Blitze am Himmel für Sekunden nachhallten und dann verschwunden waren, so würde es mit den Erinnerungen an sie sein. Ein kurzes Nachhallen würde alles mit sich nehmen und in den Weiten des grauen Himmels verloren gehen. Was hielt sie noch? Diese paar Schritte, die sie schon gegangen war. Sie wusste, dass ein weiterer genügen würde. Sie stand am Abgrund. Es gab keinen Grund umzudrehen, wenn man ihre Vergangenheit sah. Es gab keinen Grund stehen zu bleiben, wenn man ihre Gegenwart sah. Es gab keinen Grund vorwärts zu gehen, wenn sie nicht gewusst hätte, dass das Meer vor ihr nach ihr rief. Der Wind zerrte an ihr, das Meer rief nach ihr und alles was sie gehalten hätte, war in der grauen Kälte des Nichts untergegangen. Wenn es noch einen Bindfaden gehabt hätte, der sie hielt, so war er von der fehlenden Hoffnung durchtrennt worden. Wenn das Meer die Hand ausstreckt und sie in den bezauberten Saal des Todes führt, wie konnte sie da diese Aufforderung verweigern? Es war so einfach zu fliegen.

Für alle Bands die mich begeistern …

… und für eine ganz bestimmte, die vielleicht weiß, dass sie gemeint ist, wenn sie diesen Text liest. Danke an euch!

15. Balinger RockfestivalIch fühl den Beat an meinem ganzen Körper. Der Bass lässt mich bis ins Innerste vibrieren.
Am Rand stehe ich und schaue der tobenden Menge zu, wie sie auf und ab springt. Wie die Jungs ihre Haare fliegen lassen und die Mädels kreischen. Es ist echt unglaublich, hier zu stehen, die Musik zu fühlen und die Jungs auf der Bühne zu sehen. Wenn ich daran denke, wie sich diese Band innerhalb von einem Jahr weiterentwickelt hat. Unglaublich. Damals waren nach fast keine Leute bei den Konzerten dabei und jetzt? Die Halle ist brechend voll und es gibt so gut wie keinen, der stillsteht.
Und ich stehe hier und kann es nicht fassen. Kann es nicht fassen, wie sich dieses Jahr entwickelt hat. Nicht nur, dass die Jungs da oben auf der Bühne so einen Bekanntheitsgrad entwickelt haben. Nein, sondern auch, dass ich weiß, dass ich nach der Show jedem Einzelnen gratulieren kann. Dass ich hingehen kann und mit ihnen reden kann. Dass ich nicht mehr nur ein Fan bin. Dass diese Jungs, die da oben abrocken, irgendwie zu meinen Freunden geworden sind.
Dass dieses Jahr zu einem Jahr voller Überraschungen geworden ist und dass ich jetzt glücklich hier stehen kann, mit dem Wissen, dass es so weiter gehen wird. Es ist echt toll. Das diese Erfahrungen nicht aufhören, daran sind zum Teil auch die Jungs auf der Bühne schuld. Sie haben mir mit ihrer Musik so viel Glauben, Gefühle und Hoffnung ins Herz gelegt. Ich weiß nicht wie oft ich ihre Lieder schon gehört hab. ich kann jedes einzelne Wort mitsingen und ich spüre immer noch die Kraft, die diese Lieder haben.
Die Musik hat mich schon zu so vielem bewegt, das ich weiß, dass ich ohne Musik nicht mehr leben könnte. Sie ist ein Teil von mir geworden. Weil Musik mich mit zu dem Menschen gemacht hat, der ich jetzt bin.

Urlaubsgrüße

Love and the seeDer Wind zerzauste ihr das Haar und sie genoss es die Brise in ihrem Gesicht zu spüren. Es roch nach Salz und Sand. Es roch nach der Weite des Meeres und nach Freiheit.
Endlich konnte sie die Vergangenheit hinter sich lassen und neu anfangen. Sie wollte nicht an die vergangenen Zeiten denken aber es zogen trotzdem Bilder vor ihrem inneren Auge vorbei. Bilder von Dunkelheit. Bilder von verheulten Augen und schlaflosen Nächten, die sie voller Angst unter ihrer Bettdecke verbracht hatte. Sie konnte die Schreie, Streitereien und das Wimmern immer noch hören. Sie sah ihre Mutter vor sich, die versuchte zu lachen, wenn sie in ihrer Nähe war, aber ihre blauen Flecken konnte sie trotzdem nicht so leicht verstecken.
Aber all das hatte sie jetzt hinter sich gelassen. Sie war am Meer und wollte nur noch genießen. Sie wollte es genießen, dass sie das Meer hören konnte. Dass sie den Sand zwischen ihren Zehen spürte und die Sonne warm auf ihrem Gesicht fühlte. Sie war hier und nur das zählte.
Jemand schlang von hinten seine Arme um sie. Sie drehte sich um und lächelte. All die Schreckensbilder waren wie weggewischt. Der Wind trug sie aufs Meer hinaus und die Wellen spülten ihre Angst und Dunkelheit in die Tiefen des Meeres. Sie hatte jemanden gefunden, der ihr gezeigt hatte, dass es auch anders ging. Sie hatte jemanden gefunden der ihr zeigte was Liebe ist. Er zeigte es ihr immer noch. Grade in diesem Moment, in dem er sie in seinen Armen hielt, zeigte er ihr seine Liebe.
Es gab ein Gefühl, dass sie nicht beschreiben konnte, aber empfand seit sie hier angekommen war. Sie hatte nach Worten gesucht und keine gefunden. Am nächsten kam diesem Gefühl wahrscheinlich das Wort „Dankbarkeit“ aber sie wusste, dass da noch viel mehr war. Zum Beispiel die Freude auf die kommenden Wochen hier am Meer oder die Faszination die diese Situation in ihr auslöste. Das sie abends die Sterne sehen konnte und zusammen mit ihrer großen Liebe den Sonnenuntergang auf sich wirken lassen konnte. Dass sie nicht mehr alleine war. Dass sie nie wieder alleine sein würde. Nie wieder diese Angst haben musste. Sie lehnte sich an ihn an und genoss das Spektakel, das Himmel, Sonne und Wellen hervorzaubern konnte. Für sie war ein Traum in Erfüllung gegangen, der für andere so banal schien. Doch sie wusste es besser. Denn dieses Gefühl würde ihr niemand mehr nehmen können.

P.S.: Danke an Kathrin und Philipp für das tolle Bild. Eine Erinnerung an unseren tollen Urlaub =)

Nach dem letzten Regen

GänseblümchenGestern abend hat es geregnet. Wie ich mich über den Regen gefreut habe. Endlich das kühle Nass spüren. Es war zu lange heiß und trocken. Noch länger hätte der Regen nicht auf sich warten lassen dürfen. Aber nach der ganzen langen Zeit hat der Himmel endlich seine Tränen fallen lassen. Ich war so glücklich. Ich hätte tanzen können. Wenn ich das könnte, dann hätte ich es sicher gemacht. Aber ich hab dafür heute, am nächsten Morgen mein schönstes Strahlen aufgelegt. Immerhin lacht mich auch grade die Sonne an, so als ob sie mir sagen will, dass sie es genauso schön findet wie ich, dass es endlich wieder geregnet hat. Ich glaube sie hatte es auch satt, die ganze Zeit nur zu strahlen und ihre Hitze auf die Erde knallen zu lassen. Wahrscheinlich weiß sie genau, wann ihr Strahlen den Leuten Freude bereitet und wann sie einfach nur noch quälend ist. Aber im Moment ist es toll, denn ihre Strahlen lassen die letzten Tropfen die noch auf mir ruhen in einem wunderbaren Licht erstrahlen. Alles funkelt und glitzert im Glanz der Sonne und des zurückgebliebenen Regens. Es ist wirklich wunderbar mitanzusehen. Ich hoffe ich bin auch ein Geschöpf, dass Anderen eine Freude bereiten kann. Ich weiß nicht ob ich das bin, immerhin bin ich nur so klein und unscheinbar, aber die Sonne lächelt mich grad so schön an, dass ich mir sicher bin, dass auch irgendjemand seine Freude an mir hat. Auch wenn ich nur ein kleines Gänseblümchen bin, dass versteckt in ihrer Wiese lagert. Heute blühe ich ganz besonders, um dem Regen einen Dank zu zollen und um zu zeigen, dass auch das kleinste ganz Groß sein kann und das nach jeder Dürre auch irgendwann wieder der Regen kommt.

Mann im Mond

Mond am SeeSie schaute den Mond an. Sein Licht strahlte in der schwarzen Nacht wie ein Leuchtfeuer. Eine Hoffnung. Sie wusste nicht, wie sie auf diesen Gedanken kam. Eigentlich wusste sie noch nicht mal genau, was Hoffnung eigentlich war. Hoffnung auf was? Das alles gut werden würde? Diese Hoffnung hatte sie doch eh schon aufgeben. Hatte sie das nicht? Sie wollte diese Hoffnung aufgeben. Weil sie dann nicht immer wieder auf die Nase fallen würde, wenn sie dann doch merkte, dass die Hoffnung halt … ja was genau war? Doch bloß eine Hoffnung. Eine Hoffnung und nichts weiter. Hoffnungen konnten enttäuscht werden. Sie wusste nicht, warum sie sich immer wieder Hoffnungen machte um dann am Schluss doch nur festzustellen, dass die Hoffnung enttäuscht wurde. Aber es gelang ihr nicht, die Hoffnungen abzustellen. Sie war einfach da, die Hoffnung. Wie der Mond, in dieser dunklen Nacht. Sie schaute auf ihre Hände. Sie wusste nicht, was sie damit erreichen konnte. Mit dem was sie machte. Mit dem was sie nicht machte. Was sollte sie noch machen. Sie hatte das Gefühl in Mitten von einem großen Rätsel zu stecken und das passende Puzzelteil, das entscheidend war noch nicht gefunden zu haben. Wer würde ihr bei der Suche helfen? Sie hatte sich schon oft gefragt, ob gehen nicht einfacher wäre. Einfach alles hinter sich lassen. Dem Mond den Rücken zu kehren. Aber das konnte sie nicht. Er hatte eine so faszinierende Ausstrahlung, dass er sie immer wieder in den Bann zog, auch wenn sie es absolut nicht verstehen konnte. Außerdem mochte sie die Dunkelheit nicht. Sie hatte schon einmal versucht, alleine durch die Dunkelheit zu kommen und sie wollte diese Erfahrung nicht ein zweites Mal machen. Außerdem konnte sie es auch einfach nicht. Sie wusste, dass sie dem Mond das Licht nehmen konnte. Sie wusste, dass sie sein Strahlen nehmen konnte und das wollte sie nicht. Das brachte sie nicht übers Herz. Sie würde etwas kaputt machen, das irreparabel war. Sie würde lieber sich selbst kaputt machen, als ihn. Die Nacht wäre ohne den Mond zu dunkel. Sie schüttelte den Kopf. Was sollte sie auch ändern? Was ändern, an einer Situation, die sich nicht ändern ließ. Sie sollte aufhören, sich Gedanken zu machen. Der Mann im Mond würde schon auf sie aufpassen. Es war ein Trost zu wissen, dass der Mond, obwohl er so weit weg war, doch immer sein Licht auf sie schien. Er war da, auch wenn es ihr nicht immer so vorkam. Aber ob sie den Mann im Mond irgendwann mal zeigen könnte, was es hieß in ihre Welt zu scheinen, dass wusste sie nicht. Sie würde die Geschichte irgendwann fertig schreiben. Aber erst, wenn das Leben sich dazu entschloss, ihr das Ende zu erzählen. Man kann halt doch keine Geschichte erzählen, dessen Ende noch unvollendet ist. Es lag nicht an ihr die Zukunft voraus zu sagen. Sie schrieb nur die Geschichte auf. Sie erlebte die Geschichte bloß. Er hatte es ihr ja gesagt. Sie sollte sich nicht so viele Gedanken machen. Er hatte Recht!